Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6825
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aus demselben Stoffe angefertigt wurde, aus welchem auch 
die Albe und der Gürtel in frühchristlicher Zeit bestand. Es 
dürfte schwer halten, auf authentische Documente gestützt, den 
Nachweis zu führen, dass schon im apostolischen Zeitalter unter 
den liturgisch in Gebrauch genommenen römischen Gewändern 
auch der "amictus" als bedeckendes Hals- und Schultergewand 
in der Gestaltung und Anlegungsweise sich vorgefunden habe, 
wie das seit den Tagen der Carolinger der Fall war. Weder 
bei altern Schriftstellern aus den ersten christlichen Jahrhunder- 
ten, noch in bildlichen Darstellungen aus dieser Epoche ündet 
man Anhaltspunkte, die für den Gebrauch dieses Gewandstückes 
bei der Entstehung der Kirche Belege abgeben könnten. Und 
dennoch lässt es sich nicht füglich annehmen, dass, bei der de- 
centen Bekleidung, die bei der Feier des eucharistischen Opfers 
die ersten Priester und Vorsteher der Kirche umgab, in Folge 
des tiefen Ausschnittes der "paenula", der Hals der Presbyter 
und Diakonen nackt und unbekleidet geblieben sein sollte. Erst 
in dem liber originum XIX. cap. 25 des oft genannten Kirchen- 
lehrers Isidor geschieht des vamictolum" Erwähnung, das damals 
noch als Halsbedeckung ein profanes Gewandstück gewesen zu 
sein scheint. Was das WVort "amictus" selbst betriHt, so wird 
dadurch nicht so sehr ein Schulter- und Halsgewand bezeichnet, 
sondern in der h. Schrift und im Alterthume bezeichnet die- 
ser Ausdruck irgend ein Gewandstück, womit man sich be- 
kleidet. Dasselbe, was der lateinische Terminus "amictus" be- 
zeichnet, drückt auch das griechische "anabole" aus, nämlich ein 
Gewand, das als Hülle, Umwurf getragen wird. Aus dem „ana- 
bole" stammt auch die Bezeichnung "anaboladium", 1) „anabola- 
gium", welche Bezeichnung bei altern Schriftstellern gleichbedeu- 
tend mit dem kirchlichen Schultergewand gefunden wird. Gleich- 
wie über die Gestalt und den Stoff des Schultertuches in der 
frühchristlichen Zeit, bei dem Fehlen der nöthigen Anhaltspunkte, 
nichts Bestimmtes festgestellt werden kann, so dürfte es auch 
schwer halten, zu bestimmen, ob in der frühchristlichen Zeit von 
allen liturgischen Gewandstticken der den Hals verhüllende „amic- 
tus" zuerst, oder als drittes Gewandstück nach Anlegung der 
Albe und des Cingulums getragen wurde, wie das letztere nach 
ambrosianischem Ritus heute noch üblich ist. Erst nach Ablauf 
des VIII. Jahrhunderts werden bei den liturgischen Schriftstellern 
Isidor lib. XIX. 
mm, quo humeri 
Orig. cap. 25. 
operiuntur."  
„ anaboladium 
lincum 
amictorium- 
foemina-
        

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