Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6775
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die Diakonen der ravennatischen Kirche." Aus demselben Briefe 
geht auch hervor, dass das Tragen einer solchen "mappulaß nur 
allein dem Klerus der Wutterkirche zu Rom zustand. 1) Auch der 
alte Ordo Romanus, dessen Ursprung Viele in die Tage Pipin"s ver- 
setzen, erwähnt einer solchen "mappula". Zur Zeit des Alcuin 
und des Amalarius scheint das Tragen einer solchen "mappula" 
auch diesseits der Berge allgemeiner geworden zu sein. Rabanus 
Maurus, im IX. Jahrhundert Erzbischof von "Mainz, bezeichnet 
schon die nmappula" als viertes Gewandstück des Priesters. Der- 
selbe hat auch zugleich dafür zwei andere synonyme Bezeichnungen. 
Derselbe sagt nämlich: „1nappula sive mantile est quod vulgo 
phanonem vocant." 2) Die Form, Beschafienheit und der Stoff der 
"mappula", wie sie vom  Jahrhundert beschaffen war, er- 
kennt man deutlich aus einer Stelle bei Alcuin, wo er sagt: 
„mappula, quae in sinistra parte gestatur, qua pituitam oculorum 
et narium detergimus, praesentem vitam designat, in qua super- 
fluos humores patimur." 3) WVie das ebenfalls auch Amalarius 
angibt, war dem Vorhergesagten zufolge die "mappula" eine Art 
von Schweisstuch, jedenfalls aus Leinenstoff, das "auf dem linken 
Arme bei gottesdienstlichen Verrichtungen getragen wurde, um 
sich desselben zu jenen Zwecken zu bedienen, wozu heute das 
Sacktuch im Gebrauche ist. 4) Der fremdartige Name, den dieses 
kirchliche ßsudarium" bei Rabanus der obigen Stelle zufolge führt, 
nämlich "mantile", dürfte aus der formellen Beschaffenheit dessel- 
ben herzuleiten sein. Die Bezeichnung Qfanon", vielleicht zusam- 
menhängend mit unserm deutschen Worte "Fahne", ist ebenfalls 
von seiner Grösse und Beschaffenheit zu entnehmen, und soll dem 
F ossius zufolge ein Sächsisches Wort sein, wodurch ein ausge- 
breiteter und ausgespannter Stoff bezeichnet wird. Gleichwie bei 
der frühchristlichen Stole im V. oder im VI. Jahrhundert der fal- 
tenreiche Gewandstofi fortliel und nur die ornamentalen Band- 
streifen, ufasciae", blieben, so scheint im IX. Jahrhundert auch 
aus dem einfachen leinenen "sudarium", "mappula" die "mani- 
pula" sich gebildet zu haben. Diese Manipel versah nach ihrer 
Umänderung nicht mehr den Zweck eines Schweisstuches, das, aus 
der orientalischen Kirche stammend, im Oocidente aus klimatischen 
Gründen nicht nöthig sein mochte, sondern warein stoffliches Or- 
Gregor M. lib. 11- epjst. 54 ad Johanpem Archiep. Rav. 
Rabanus Maurus, libfI. de instit. Clericorum cap. 18. 
Albini Flacii Alcuini lib. de divinis ofüciis cap. ade singulis 
Amalarius, lib. II. cap, 24. 
vestibus".
        

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