Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6746
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und Symboliker des Mittelalters, dessen Angaben die meisten 
spätern Schriftsteller gefolgt sind, darauf hin, dass seit den Ta- 
gen, wo man in der Kirche anfing, die priesterliche Albe zu 
tragen, die Stole als vollständiges Gewand fortgefallen sei und 
dass statt derselben die „fasciolae", nämlich die farbigen orna- 
mentalen Bandstreifen, geblieben seien. Wir wagen es nicht, mit 
Bestimmtheit auszusprechen, ob man in der Frühzeit der Kirche 
als Untergewand unter der faltenreichen bedeckenden Stole auch 
die Albe nebst Gürtel getragen habe; der oben citirten Stelle bei 
Durandus gemass sollte man fast glauben, dass dies nicht der 
Fall gewesen sei und dass erst nach dem Wegfallen des weiten 
Gewandstoffes der Stole sich die Albe weiter entwickelt und ge- 
staltet habe. 
Betrachtet man den bedeutenden Einfluss, den auf Wissenschaft, 
Kunst und Liturgie, desgleichen auf kirchliches Leben der grosse 
und h. Papst Gregor I. genommen hat, bringt man ferner in 
Anschlag, was dieser ausgezeichnete Kirchenlehrer für Hebung und 
Feststellung der Kirchenmusik und der Liturgie in_dem Jahrhundert, 
das den langen traurigen Wirren der Völkerwanderung folgte, 
Grossartiges geleistet hat, so möchte man fast versucht sein, zu 
glauben, dass er auch seine Thatigkeit auf die Bildung und 
weitere Entwickelung der priesterlichen und bischöflichen Gewän- 
der ausgedehnt habe. Wir sind entschieden der Ansicht, dass die 
hinsichtlich der allmähligen Entwickelung und Umgestaltung der 
liturgischen Gewändertbedeutungsvolle Stelle des Walafrid Strabo, 
der im IX. Jahrhundert lebte, Bezug haben kann auf Verände- 
rung und reichere Gestaltung der kirchlichen Gewänder, nament- 
lieh seit den Tagen des Pontificates Gregofs des Grossen (von 
590-4304). Die Worte des eben gedachten Schriftstellers lauten 
nämlich: „Vestes etiam Sacerdotales per incrementa ad eum, qui 
nunc habetur, auctae sunt ornatum." In demselben Capitel fügt 
an einer andern Stelle der gedachte Autor noch hinzu: „Addi- 
derunt in vestibus sacris alii alia etcft, worauf wir schon auf 
Seite 426 aufmerksam gemacht haben. 
Da wir uns in der vorliegenden Abhandlung, nach Betracht- 
nahme der gottesdienstlichen Gewänder des mosaischen Cult als 
Vorläufer für die spätern gottesdienstlichen Gewänder der Kirche, 
hier zunächst mit der Entstehung der Opfergewänder des neuen 
Bundes im Anschluss an die analogen Gewänder der Griechen 
und Römer im apostolischen Zeitalter beschäftigen, so kann es 
nicht unsere Absicht sein, ausführlicher nachzuweisen, dass bloss 
den Bischöfen, Priestern und Diakonen das Tragen der Stole in
        

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