Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6734
437 
ist dieser schmale verzierende Streifen, ähnlich einer Schlinge, 
als auszeichnendes Ornament von der alten Stole heute nur allein 
übrig geblieben und der faltenreiche Umstoff, das eigentliche pri- 
mitive Stolengeivand des Alterthums, fortgefallen, so dass heute 
auf einen kleinem ornamentalen Theil der Name eines ehemaligen 
weiten Gewandes .,stola" übergegangen ist. Es dürfte schwer 
halten, den Zeitpunkt genau zu bestimmen, wann der faltenreiche 
Umstoft" der frühchristlichen Stole, der den ganzen Körper bis 
zu den Füssen bedeckte, fortgefallen, und der Name des Gewan- 
des auf den ornamentalen, aufgenaheten Purpurstreifen übertragen 
worden ist. Eine aufmerksame Besichtigung der Mosaiken in 
den altern Basilikeil Italiens hat uns die Ueberzeugung beige- 
bracht, dass lange vor der carolingischen Kunstepoche diese 
Veränderung und umfangreiche Modification der frühchristlichen 
Stole vor sich gegangen ist. Das aber lässt sich aus vielen noch 
erhaltenen Monumenten von dem Constantinischen Zeitalter bis 
zum VI. Jahrhundert augenfällig nachweisen, dass in dieser Epoche 
die Stole noch als faltenreiches Gewand mit den aufgenäheten 
verzierenden Bandstreifen ohne Veränderung bestand. Auch un- 
sere Abbildung auf Taf. X. beweist, dass in Italien noch um die 
Mitte des VI. Jahrhunderts die frühchristliche Stole als vollstän- 
diges Gewand in ihrer ursprünglichen Gestaltung sich erhalten 
hatte. Es trägt nämlich auf dem berühmten Mosaikbilde in 
der Kirche St. Vitale zu Ravenna der Bischof Maximianus unter 
der faltenrßißhen vpaenula" als Untergewand eine weite ßstola" von 
einem weisslichen Stoffe und ist dieselbe mit zwei schmalen, pa- 
rallel bis zum unterm Saume fortlaufenden farbigen StoHstreifen 
verbrämt. Noch auffallender stellt sich der Schnitt und die Be- 
schaffenheit der altchristlichen Stole bei den neben Maximianus 
befindlichen ministrirenden Kleriker-n heraus, die beide als Ober- 
gewand, mit schmalen Ornamentstreifen verziert, dieselbe Stole 
tragen, die der Bischof hlaximianus in gleicher Weise, wie oben 
angedeutet wurde, unter der "paenula" trägt. 1) (Vgl. die Abbil- 
dung auf Taf.  
Wie das aus der obigen Anmerkung erhellt, deutet Duran- 
dus, Bischof von Mende, einer der ausgezeichnetsten Liturgiker 
Auch in den Bildwerken bei Seroux d'Agincoun: begegnet man an vielen 
Stellen priesterlichen und bischöflichen Darstellungen, die noch in alter 
Weise mit der frühchristlichen Stola bekleidet sind. Dieselbe ist, nach 
Durandus nicht als „torques" aufgefasst, sondern als faltenreiches Gewand 
mit zwei schmalen aufgenäheten nfasciolae" zu erkennen. 
29a
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.