Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6720
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auch Könige, Priesterundreiche Patrizier trugen, ist weitläufiger und 
mit grossem Aufwand von Gelehrsamkeit schon früher von Ferrarius 
nachgewiesen WOTdGILl) Hinsichtlich der Form dieser eben gedach- 
ten Bekleidung muss bemerkt Werden, dass im vorchristlichen Alter- 
thume die Stole ein faltenreiches Gewand war, das den ganzen Körper 
bedeckte, mit Ausnahme des Hauptes und des Halses. Damit beklei- 
det konnte, wie es bereits Xenophon andeutet, kein Gebrechen des 
Körpers wahrgenommen werden. 2) Mit einem solchen faltenreichen 
Gewande, das ähnlich der „tunica talaris" (poderis) des Hohen- 
priesters im Alterthume (vergl. unsere Beschreibung auf Seite 334) 
bis zu den Füssen herunterfloss, stimmt auch die Beschreibung 
der priesterlichen Stola des h..Germanus Constantinopolit. über- 
ein, und hatte auch dieselbe Form jene nstola", die von Constantin 
dem Grossen dem'Bischofe Maccarius von Jerusalem geschenkt 
worden Warß) Dieselbe War mit Gold durchwebt und sollte 
Maccarius, damit bekleidet, das Sacrament der Taufe spenden. 
Was den Stoff und die Farbe betrifft, so ist zu bemerken, dass 
überhaupt die Farbe der Stole meistens weiss 4) und dieselbe 
entweder aus feiner Wolle mit Gold durchwebt oder auch aus 
Byssus angefertigt war. In den Acten des h. Papstes Silvester 
wird für die Diakonen das Tragen der Dalmatik vorgeschrieben 
und hinzugefügt, dass ihre Linke bedeckt sein sollte mit der 
„palla linostima", eine Bezeichnung und ein Gewand, das voll- 
ständig gleichbedeutend ist mit der Stoie. Der jüngere Isidor er- 
klärt das Stoffliche der nlinostima" dahin, dass die Kette (stamen) 
aus Leinen (linum) bestehe, und dass als Einschlag (trama) Wollen- 
stoffe genommen worden seien. Das einzige verzierende Orna- 
ment, womit das faltenreiche Gewand der Stole des klassischen 
Alterthums gehoben wurde, bestand in einem kaum eine Hand 
breiten Streifen (fascia), der als Verzierung in Gold oder Purpur- 
stoffen so auf der Stole aufgenäht war, dass er als afasciola", „lim- 
bus" die Stole an zwei Stellen parallel laufend verzierte und auf bei- 
den Seiten über die Schultern als langer, schmaler Streifen bis zu 
den Füssen herunterstieg. Wie das Durandus s) ganz richtig bemerkt, 
1) 
3 
23 
Ferrarius de re vestiaria, lib. III. cnp. 17. 
Xenophon, lib. VIII. Cyripacdia. 
Theodoret. lib. II. hist. cap. 27. Diese kostbare Stole wurde von Cyrill 
verkauft, um den Erlös an die Dürftigen zu vertheileu. 
Daher auch in der Schrift „amicti stolis albis". Johann. Apoc. VII. 9. 
Durandus rationale divinorum offlciorum. lib. III. cap. 5. Die bezügliche 
Stelle lautet in Abkürzung, wie folgt: Notandum, quod antiquitus stola erat 
vestis caudida. pertingens usque ad vestigia.  Sed postquam Alba coepit. 
Fortan-i, mumta es: in torquem.
        

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