Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6679
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den hinlänglich, dass das offieielle Staatskleid der alten Römer, 
die Toga, in ihrer weiten Ausdehnung und ihrem eigenthümlichen 
Schnitt unmöglich das Vorbild, und, so zu sagen, derMusterpatron 
gewesen sei, nach welchem im apostolischen Zeitalter das liturgische 
Gewand der Priester conform der neasula, planeta" gebildet wor- 
den sei. Anstatt das Messgewand mit der "paenula" auszusöhnen, 
ersah Ferrarius aus dem eben angedeuteten Grunde in der nach 
einer Seite hin geöffneten "paenula" das Mustervorbild für Schnitt 
und Form der ncappa" oder Pluviale, wozu auch noch der an- 
dere Umstand kam, dass die .,paenula" ebenfalls in der classisch- 
römischen Zeit grösstentheils als Bekleidungsstück und Ukberwurf 
zu Winterszeiten und bei regnerischem Wetter getragen worden 
sei. Ein Aehnliches bekunde auch der Name des Chormantels 
oder der Chorkappe, deren Name "pluviale" andeute, dass sie in 
der Frühzeit der Kirche bei öffentlichen Bittgängcn und bei 
nachmittägigem Gottesdienste als ein gegen Witterung und Regen 
schützendes Gewand in Gebrauch genommen worden sei. In der 
II. Ausgabe seines grössern Werkes, die später erschienen ist, gesteht 
jedoch gegen Ende des Cap. 37 Ferrarius ein, dass er, auf die 
Autorität anderer Gelehrten hin, die "paenula" für ein offenes 
Gewand gehalten habe, dass er aber nach genauerer Durchsicht 
authentischer Abbildungen der "paenula", die vollständig nach 
allen Seiten geschlossen gewesen sei, die Üeberzeugung erlangt 
habe, dass dieselbe in der ältesten Zeit vorzugsweise als Gewand 
der Priester der Kirche benutzt werden sei und dass die "casula" 
oder "planeta" mit der "paenula" hinsichtlich ihres Schnittes eine 
auffallende Verwandtschaft zeige. Derselbe Schriftsteller handelt 
im II. Buche des 2. Theiles seines obengedachten Werkes aus- 
führlicher von der "paenula" und bringt auch einige Abbildungen 
derselben bei, wodurch dem Auge die grosse Aehnlichkeit nahe 
gelegt wird, die offenbar zwischen der vorchristlichen „paenula" 
und der frühchristlichen "casula" oder nplaneta" bestand. Außll 
der oben citirte Bartolus Bartholini fügt seinem interessanten 
Commentar über die „paen1'1la" drei authentische Abbildungen 
dieses vorchristliehen Obergewandes hinzu. Die deutlichsten und 
gelungensten Abbildungen der altrömischen "paenula", worin Pro- 
fessor Weiss ein eigentliches Schutzkleid und nicht ein Gewand 
für den Putz erkennt, veranschaulicht der letztgedachte Schrift- 
steller auf Seite 963 der VIII. Lieferung seiner "Costümkunde" 
unter Fig. 380. Hinsichtlich ihrer Form gibt derselbe Autor in 
dem begleitenden Texte seines lehrreichen WVerkes an, dass sie in 
ihrer einfachsten Gestalt höchst wahrscheinlich ein ringsum ge-
        

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