Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6662
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hier der Alterthumswissensehaft noch ferner zur freien Forschung 
anheimgegeben sein. Das jedoch ist als unbezweifelt feststehend 
anzunehmen, dass die wpaenula" als auszeichnendes Matronen- und 
Senatorengewandß in den zwei ersten christlichen Jahrhunderten 
in Rom allgemein in Gebrauch war und darf deswegen auch in 
Hinblick auf das früher Behauptete angenommen werden, dass 
die Vorsteher und Priester der Kirche sich dieses Obergewandes 
bei gottesdienstlichen Verrichtungen vorzugsweise bedient haben. 
Eine gründliehere Untersuchung bedürfte die Beantwortung der 
andern Frage: ist das Messgewand aus der altgriechischen und 
römischen "paenula" herzuleiten, oder stammt unsere "easula, 
planeta" von einem andern vorchristlichen Gewande ab? WVir 
wagen es nicht, in- einer Streitfrage, die den Scharfsinn gründ- 
lieherer Forscher in den letzten Jahrhunderten vielfach abge- 
müdet hat, unsererseits eine neue Conjeetur zu den bereits be- 
stehenden aufzustellen, und wollen deshalb nur in Kürze berich- 
ten, welehe Meinungen Andere vor uns über diesen Gegenstand 
geäussert haben. Octavius Ferrarius, unstreitig einer der gründ- 
lichsten Forscher, der über altrömisehes und frühchristliches Be- 
kleidungswesen geschrieben hat, gab in der ersten kleinern Aus- 
gabe seines Werkes: „de re vestiaria libri tres" seine Meinung 
dahin ab: dass die „casu1a" oder "planeta" als Opfßrgewalld in 
der Frühzeit der Kirche nicht von der altrömischen "paenula" 
abstamme, sondern dass das unmittelbare Vorbild des Messge- 
wandes in der faltenreiehen altrömisehen Toga zu suchen sei. 
Unter andern Beweisen, worauf er diese seine gewagte Behauptung 
stützt, führt er den sachlichen Grund an, dass die "paenula" nach 
vornchin offen gewesen sei, wohingegen die Toga nach allen Sei- 
ten hin sich als ein geschlossenes rundes Gewand gezeigt habe. 
Tiefgehende Untersuchungen, die seit den Tagen WVinkelrnanrfs 
A. Becker (Gallus III), O. Müller (Etrusker I.) und in jüngster 
Zeit besonders Professor Herm. Weiss z) gemacht haben, bekun- 
„pa.enula" sei ein auszeichnendes Gewand für römische Senatoren und Pa- 
trizier gewesen, und habe der Apostel dieses Ehrengewand von seinem Va- 
ter, der ein römischer Bürger war, ererbt. Der h. Chrysostomus hingegen 
nimmt in seinem Commcntar zu der betreffenden Stelle an, es sei die su- 
genannte vpaenula" das "patllium" gewesen, das die ersten Chxisteu durch- 
gängig statt der "toga" getragen hätten. Dieser Ansicht pflichten Theo- 
phylactus und auch der h. Hieronymus bei.  
Sueton. in Nerone, cap. 48 und Ael. Lamprid. in Alex. Severo. 
Costümkunde, VIII. Lief. Seite 954 u. die Folge.
        

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