Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6650
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Bezeichnung desselben mit dem Ausdrucke "paenula", der nach 
dem aliltymologicum magnum" herzuleiten ist von dem griechi; 
sehen Worte sflßasvölryg". 1) Dem Suidas und Andern zufolge 
bezeichnet dieses Wort ein Kleidungsstück, das man im Alter- 
thume zu tragen pflegte. Die meisten Liturgiker der letzten Jahr- 
hunderte haben unter der Bezeichnung "paenulaf", gleichbedeutend 
mit "casula, planeta", jenes ehrwürdige faltenreiche" Obergewand 
zu finden geglaubt, das schon in dem apostolischen Zeitalter bei 
der Feier des geheimnissvollen Opfers gebraucht worden sein 
soll. Es stellen sich hier nun die nicht leicht zu lösenden Fragen 
entgegen: ist" wirklich das frühchristliche Messgewand seiner 
äussern Form und Beschaifenheit nach von der griechischen nach 
Rom übertragenen "paenula" herzuleiten und ist bereits im ersten 
christlichenJahrhundert diese „paenulaf' liturgisch in Gebrauch 
gewesen? 
Namhafte Schriftsteller und unter diesen Ferrariusf) Bulen- 
gerusß) Rubenius f) vertreten in ihren betreffenden Schriften dem 
Gretserus gegenüber die Ansicht, dass die „paenula" schon in 
der frühesten christlichen Zeitrechnung zu den Gewändern gehört 
habe, deren sich die Vorsteher und Priester der Kirche bei Dar- 
bringung des hochheiligen Opfers bedient hätten. In Ueberein- 
stimmun mit dem eben Gesavten sind mehrere ältere Litur iker 
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der Anslcht, dass die "paenula", die der Apostel Paulus zu Troas 
im Hause des Carpus zurückgelassen habe, 5) ebenfalls ein Opfer- 
gewand gewesen sei, dessen sich der Apostel bei der Feier der h. 
Geheimnisse bedient hatte. Ü) Ob diese berühmte und vielbe- 
sprochene „paenula" des Apostels ein Opfergewand, wie Viele es 
wollen, gewesen sei, oder nach Ansicht Anderer eine Lade, 
"theca", um Bücher dann aufzuheben, oder ein "Volumen" 7) mag 
i) Bart. Bartholini gibt in seinem gelehrten Commentar „de paenula,", Haf- 
niae 1670, pag. 2 an, dass durch Umsetzung der Buchstaben gleichbe- 
deutend mit dem Terminus xpatvöby; die Schreibweise zpsurilryg, qislöuq; und 
(papluizlrj; entstanden sei. Dass das Wort und das Gewand selbst aus Griechen- 
land stamme und nicht aus dem Lateinischen von "pene nulla" herzuleiten 
und mit einem obscönen Gebrauche nicht in Verbindung zu setzen sei, 
kann man ausführlicher aus dem eben gedachten Werke des B. Bartholini 
entnehmen. 
1) Ferrarius, de re vestiaria, lib. I. cap. 36 et sequent. 
3) Bulengerus, lib de sacris vestib. cap. 20. 
4) Lib. de re vestiaria, cap. 6.  
a) Pauli epist. II. ad Timoth. cap. 4. v. 13. Die Stelle lautet wörtlich: 
"Penulam, qnam reliqui Troade apud Carpum, veniens affer tecum et libros 
maxime autem membranas." 
6) Oard. Baronius, tom. I. Annales ad ann. 58. n. 67. 
7) Andere gewichtige Erklärer der Paulinischen Briefe sind der Ansieht, diese
        

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