Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6647
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wird, das den ganzen Körper vollständig umgibt und einhüllt, 
so zwar, dass der untere Saum dieses durchaus geschlossenen Ge- 
wandes nach Anlegung desselben über die Arme herßllfgerollt 
wird, und dessen weiter untere Rand unstät und beweglich auf 
den Armen herum zu irren scheint. Du Saussay leitet aus dem 
Grunde, dass der untere Saum dieses Gewandes frei und beweg- 
lich auf. den Armen aufgerollt wird, die Etymologie des Wortes 
sogar her aus der Analogie mit den wandelnden Sternen, den Pla- 
neten. 1) Auch der jüngere Isidorus entnimmt die Etymologie die- 
ses Ausdruckes von dem ebengenanntcn griechischen Terminus. Er 
sagt nämlich: splanetae dictae quia oris errantibus evagantur." 
Es fliesst nämlich der untere Saum, „0ra, lymbus", bei der Auf- 
schürzung des rund geschlossenen Gewandes ungeordnet über die 
Arme, so dass er unstät immer die Stelle wechselt, je nachdem 
man die Arme höher erhebt oder senkt. Deswegen gibt auch die 
„gemma animae" des Honorius hinsichtlich dieses auf den Armen 
umher irrenden und schweifenden untern Gewandsaumes Folgen- 
des an: „casulam omnibus aliis vestibus circumjeci, quae planeta 
dicatur, quod errabundus lymbus eius utriusque in brachia sub- 
levetur; haec in pectore et inter humeros duplicatur, in utroque 
brachio triplicatur." Die andere Benennung vcasula", diegleich- 
berechtigt neben dem aus dem Griechischen abgeleiteten Worte 
"planeta" bei den altern kirchlichen Schriftstellern vorkommt, ist 
nicht von dem auf den Armen hernmirrenden Saume herzuleiten, 
"sondern von seiner Eigenschaft, dass dasselbe rundum wie ein 
kleines Zelt, Hüttchen (casa, Diminutiv: casula) den Körper des 
Tragenden umschliesst. So leitet auch Isidorus den Begriii „ca- 
sula" von der äussern Form und Beschaffenheit derselben her, 
indem er sagt: „casula est cuculla, a casa, quod totum horninem 
tegat, quasi minor casa." 
Wo dürfte nun der Ursprung dieser Kasel zu suchen sein, 
die in der später corrumpirten Latinität bei einigen Schriftstellern 
auch Heasibula", "casubula", „cuculla" genannt wird? 
Wie überhaupt die Kunst der Römer aus der griechischen 
sich entwickelt hat, so stammten auch in der klassischen Kaiser- 
zeit die meisten damals im vornehmen Rom gebräuchlichen Pro- 
fangewänder aus Griechenland her. Für den unzweifelhaft grie- 
chischen Ursprung der "planeta" zeugt, wie oben bereits ange- 
deutet wurde, auch der gräcisirende Name. Für das Herkommen 
dieses Gewandes aus Althellas zeugt ferner auch die synonyme 
L 
Saussay 
Du 
Panoplia 
sacerdotalis, 
lib. 
cßP' 
pag. 
101.
        

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