Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1782
den; sie sollten zugleich ein offenes, stets leserliches Buch für Alle 
sein, die da nicht lesen konnten. Wie in den Mosaiken und son- 
stigen Ornamenten der Kirche dem geistigen Auge der Gläubigen 
das Leben des Erlösers in seinen Hauptmomenten nahe gerückt 
wurde, so sollte auch die Weberei in ihren Leistungen die Thaten 
des Heilandes im Bilde veranschaulichen und verherrlichen. 1) Die 
Kirche nahm also auch schon in der frühesten Zeit die YVeberei, 
wie auch die übrigen Künste in ihren Dienst, wies ihr ein würdi- 
ges Feld für ihre Leistungen an, und trug daher nicht wenig dazu 
bei, dass bereits vor dem X. Jahrhunderte in Byzanz und Grie- 
chenland die Webekrlnst sich zu einer Blüthe erhob, die jetzt. noch 
unser gerechtes Staunen erregt.  
Durehblättern wir nach diesen Voraussehiekungen die be- 
kannte Lebensbeschreibung der römischen Päpste, so finden wir, 
dass in den Stoffen, den Kirehen-Chor- und Thürbehängen, in der 
Altarbekleitlting, welche Anastasius fast mit kleinlicher Genauig- 
keit in Menge zu beschreiben nicht. unterlässt, wohl kaum ein be- 
deutender Element in dem Leben des Heilandes anzutreffen sei, 
der nicht durch die Weberei im Bilde den Gläubigen zur Er- 
bauung vorgeführt worden wäre. Der Cyelus der bildlichen Dar- 
stellung in diesen reichen Stoffen beginnt 1') mit dem Anfange des 
Erlösungsvsierkes, der Verkündigung, und zwar sind alle diese {ign- 
rirten Darstellungen, die im Verlaufe noch näher bezeichnet wer- 
den, meistens in Gold gewebt 3) und mit einer, oft kreisförmigen, 
 
1) Die Stelle der von Auastasius so oft gemeldeten „vestes oder pallia in cir- 
cuitu altaris" , die in einem natürlichen Faltcnwurf die Altäre in Weise von 
Draperien umgeben, nimmt heute bloss an einer Seite das antipendium ein, 
das aber nicht, wie es früher der Fall wer, und auch sein Name besagt, 
vom Rande des Altars frei herunteriliesst, sondern bretterförmig steif gespannt ist. 
Die heutige Armuth der Kirche, im Verhande mit einer oft engherzigen 
Oekonomie , wendet du, wo das Mittelalter die Kunst der Weberei in ihrer 
Blüthe erseheinen liess, nicht selten Papiertapcten an, mit meist sehr un- 
glücklich gewählten Dessins.  
Q) Um nicht bei zeitraubenden Forschungen nsch Belegen bei ältern Autoren 
allzu lange zu verweilen, verweisen wir bei den folgenden Stellen auf das öf- 
ters angeführte ausgezeichnete Werk des Frnncisque-Michel und bemerken hier 
ein für allemal, dass wir den tretllichen Vorarbeiten dieses Schriftstellers, so 
viel es anging, gefolgt sind. 
a) Diese scenerirten Goldstoffe werden meist von den ältern Schriftstellern pallia, 
Vela fundata. genannt. Bulengerus in seinem Werke: „de re vestiaria" be- 
lehrt uns, dass das Arljectiv fundams gleich sei auro textus, acu pictus, und 
dass dieses von Anastasius unzählige Male gebrauchte Epitheton gleichkomme 
dem Öiüffß ä fßnd d'or oder wie der Italiäner sich ausdrückhdrappo di fundo d'oro. 
Vergl. du Gange ad. voc. fund,
        

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