Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6619
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Völker über den Garten Italiens erniedrigt wurde, desto mehr 
sank auch die Ausübung der verschiedenen freien Künste unter 
dem Drucke dieser schweren, eisernen Zeiten. Mit Romulus 
Augustulus endigte in Rom die Reihe der letzten Schattenkaiser 
und nahm mit dem Aufhören des römischen Namens die Barbarei 
in Kunst und WVissenschaft in der Tiberstadt, die bis zu dieser 
Zeit als die Leuchte der Bildung in Europa gegolten hatte, der- 
maassen überhand, dass bei dem steten Wechsel der Italien über- 
fluthenden Völkersehwärme das alte Rom hinsichtlich seiner 
Sprache, seiner Sitten, seiner Gebräuche und sogar seiner Kleidung 
innerhalb hundert und fünfzig Jahren in vieler Beziehung ein fremd- 
artiges, ein barbarisches geworden war. Nur allein die Kirche 
dürfte bei diesem steten Wechsel der Sitten und der Kleidung 
in ihren liturgischen Gewändern die letzten Spuren des ältern 
klassischen Römerthums wenn auch nicht ganz unverletzt beibehalten 
haben. S0 mochte es gekommen sein, dass im VII. Jahrhundert, 
nach Ablauf der Vülkerwanderungen, die kirchliche Gewandung 
sich als eine besondere und eigenthümliche herausstellte, die jetzt 
abweichend und eigenthümlich von jenen Profangewändern be- 
funden wurde, wie man sie im öffentlichen und Privatleben in Rom 
und dem übrigen Italien zu tragen püegte. Man darf es hier 
nicht unterlassen, hervorzuheben, dass selbst diese liturgischen Ge- 
wänder, die nach Ablauf der Völkerwanderung die Kirche als 
eigenthümliche und überlieferte beibehalten hatte, immerhin Einwir- 
kungen der spätern Ausartung und des Verfalles der klassisch-rö- 
mischen Kunst in sich aufgenommen und nicht wenig unter dem 
Einflusse jener fremdländischen, barbarischen Formen gelitten hatten, 
die bei den Kriegen und Drangsalen zweier Jahrhunderte in Rom 
abwechselnd aufgetreten waren. Eine kleinere Modiücation der 
kirchlichen Gewänder in Hinsicht des Stoffes und des Schnittes dürfte 
auch deswegen sich allmälig eingestellt haben, weil der Missbrauch 
sich frühe schon, wie oben bemerkt, einstellte, dass Diakonen und 
Presbyter in den ersten drei Jahrhunderten im Privatleben sich zu- 
weilen jener Gewänder bedienten, womit sie auch bei Begehung der 
h. Geheimnisse bekleidet waren. Dass dem so der Fall war, be- 
zeugen die Verbote, die, wie vorhin schon gesagt, von Seiten der 
Vorsteher der Kirche seit den Tagen des Papstes Stephanus bis 
auf spätere Synoden und Concilien gegen das Tragen der litur- 
gischen Gewänder auch im profanen Gebrauche erlassen wurden. 
Das älteste dieser Verbote gegen das vermischte Tragen der h. 
Gewänder bei gottesdienstlichen und zugleich bei profanen Veran- 
lassungen finden wir bei Anastasius Bibliothecarius in der Le-
        

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