Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6603
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Vorstehern der Kirche in den ersten christlichen Jahrhunderten, 
als noch keine besondere gottesdienstliche Kleidung von der Kirche 
als feststehend vorgeschrieben war, in Gebrauch genommen 
wurden. 
Was wir, dem Vorhergesagten zufolge, für die v0rconstan- 
tinischen Zeiten entschieden in Abrede stellen, dass nämlich die 
liturgischen Gewänder in dieser Epoche von den damals gebräuch- 
lichen Profangewändern der Form nach durchaus verschieden 
gewesen seien, das nehmen wir für die spätern Zeitläufte mit 
mehr Fug in Anspruch, und behaupten demnach, dass erst im 
Laufe der Jahrhunderte, die den Strömungen der Völkerwanderungen 
gefolgt sind, die liturgischen Gewänder der Kirche auf der gege- 
benen Grimdlage der klassisch-römischen Patrizier- und Senatoren- 
Gewänder sich eigenthümlicher gestalteten und weiter entwickel- 
ten, so zwar, dass erst im VI. und VII. Jahrhundert sich die 
gottesdienstlichen Gewänder der Kirche als eigenthümlich und 
abweichend von jenen Profangewändern herausstellten, wie man 
sie, in veränderter Zeitlage, diesseits und jenseits der Berge im 
profanen Leben zu tragen pflegte. Die Gründe dieser Wahrneh- 
mung sind im Folgenden zu suchen. Wie wir das gleich im Einzel- 
nen nachweisen werden, waren die liturgischen Gewänder über- 
einstimmend, wie sie von Seiten der vornehmen Römer getragen 
wurden, noch unter dem Einflusse der classischen Kunst des 
alten Rom's in den Tagen der ersten Kaiser in Gebrauch genom- 
men worden. Die Kirche und ihre Diener mochten sich nicht 
veranlasst finden jene Gewänder dem äussern Schnitte nach so zu 
ändern, wie es der wechselnde Geschmack des Tages, den wir 
heute Mode nennen würden, angab. 
Bekanntlich trat in Rom unter den spätern Kaisern eine Ver- 
weichlichung der Sitten ein, der zufolge die edele Einfachheit der 
Gewänder in Bezug auf Form und Material bedeutend in Ab- 
nahme kam. Die Gewänder aber, die die Kirche" bei gottesdjenst- 
liehen Verrichtungen adoptirt hatte, waren dieser täglich wach- 
senden Veränderung hinsichtlich ihrer Gestaltung nicht so sehr 
unterworfen. Vollends aber machten sich mit Beginn der Völker- 
züge der Einfluss und das Aufkommen von fremden Sitten, Ge. 
brauchen und Kleidungen bei der zunehmenden Schwäche des An- 
sehens der letzten Kaiser in auftallender Weise geltend Klei- 
dungen, die der gute Geschmack der Römer seither als barbarisch 
verachtet und fern gehalten hatte, gewannen in der Periode der 
Völkerwanderung überhand. Je mehr das Ansehen und die Macht 
des alternden Roms bei dem verheerenden Andrängen fremder
        

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