Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6593
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und Profangeivändern vorgewaltet, so würden Einzelne, nament- 
lich im Jahrhundert der Verfolgung, schon allein aus Klugheits- 
rücksichten Anstand genommen haben, sich öffentlich durch ihre 
auffallende Kleidung als Vorsteher der Kirche kenntlich zu machen 
und die Blicke der Heiden auf sich zu ziehen. 1) 
Die im Obigen ausgesprochene Ansicht hinsichtlich der for- 
mellen Verwandtschaft der gottesdienstlichen Gewänder im apo- 
stolischen Zeitalter mit den Profangewändern des alten klassischen 
Ronfs schliesst jedoch die Annahme nicht aus, die von Cardinal 
Bonn und du Snnssay geltend gemacht worden ist, dass nämlich 
in den ersten Jahrhunderten der Kirche mehrere Apostel und 
verschiedene Bischöfe bei Verrichtung der h. Mysterien einzelner 
Ornate sich bedient hätten, die später auf ihre Nachfolger über- 
gegangen seien. Da in der apostolischen Zeit aus Gründen, die 
wir hier oben entwickelten, keine besondern, von der gewöhn- 
lichen Kleidung hinsichtlich ihres Schnittes abweichenden gottes- 
dienstlichen Gewänder allgemeine Gültigkeit hatten, so konnte es 
um so mehr der Fall sein, dass einzelne Vorsteher der Kirche 
ihr bischöfliches Amt und ihre priesterliche Würde durch ein be- 
sonderes Ornatstück nach ihrer Wahl andeuteten, das jedoch 
später nach ihrem Hinscheiden von den Nachfolgern derselben 
als Erinnerung und theueres Andenken an den heiligen Vorgänger 
aufbewahrt und ebenfalls getragen wurde. 
Auf diese Weise mag es gekommen sein, dass einzelne Kir- 
chcnvorsteher in frühchristlicher Zeit ein besonders auszeichncndcs 
Ornatstück als historisch ehrwürdig überliefert trugen, das von 
Bischöfen anderer Kirchen nicht in Gebrauch genommen wurde. 
So trug der Apostel Paulus, der Ansicht gewichtiger Liturgiker 
zufolge, bei der Feier der h. Mysterien ein Obergewand „pae- 
nnla", das er bekanntlich in Troas zurückliessß) Hierhin ist 
ferner zu rechnen die goldene Binde (lamina), die der h. Evan- 
gelist Jghannes, nach Angabe des Bischofs von Ephesus, Poli- 
krates, soll getragen haben, wie das Eusebius 3) anführt. Hierhin 
sind auch zu zählen die Kopfbedeckung (infula), deren Tertul- 
lian lib. de Monogamia, cap. XII, erwähnt, und einzelne be- 
sondere Gewandstüeke, die von andern ausgezeichneten und h. 
Vgl. hierzu die historischen Noten ad Anast. Biblioth. in vita S. Stephani, 
sectio XXIV. Anno Christi 257. tom. II. pag. 217 und 218. 
Im Folgenden wird ausführlicher von dieser "paenula" des h. Paulus gg. 
handelt werden. 
Euseb. lib. III. hist. cap. 81-
        

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