Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6520
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sehen Zeitalter im Gebrauch hatte, wollen wir vorher die Lösung 
einiger einschlagenden Vorfragen versuchen, die dahin lauten: 
bediente man sich bereits in den ersten Jahrhunderten des Christen- 
thums feststehender liturgischer Gewänder bei Begehung der heili- 
gen Geheimnisse, die sich von den damals gebräuchlichen profanen 
Kleidungsstücken in Stoff und Schnitt unterschieden, oder trugen 
vielmehr die Priester und Bischöfe der Kirche im apostolischen 
Zeitalter als gottesdienstliche Gewänder jene Kleidungsstücke, 
die damals die Vornehmen und Gebildeten in Rom im pro- 
fanen Gebrauche anzulegen pflegten? Diese Fragen haben die 
Aufmerksamkeit und den Scharfsinn gediegener Forscher in den 
letzten Jahrhunderten vielfach beschäftigt. Männer von umfas- 
sender Gelehrsamkeit und grossem kirchlichen Ansehen finden 
wir auf jeder Seite dieser divergirenden Ansichten. Die kirch- 
liche Autorität hat nach dem alten Sprüche „in dubiiS, libertas" 
diese Frage, als eine offene, der Wissenschaft zur Aufhellung 
überlassen. 
Was den heutigen Standpunkt der oben angeregten Frage 
betrifft, so muss entschieden behauptet werden, dass in neuester 
Zeit, auf gründlichere Forschungen gestützt, allgemeiner in der 
archäologisch-liturgischen Wissenschaft die Ansicht verwaltet, 
der auch wir, nach längern eingehenden Untersuchungen unbe- 
dingt beipflichten: dass in den ersten Jahrhunderten keine neuen, 
dem Schnitt und der Form nach, verschiedenen gottesdienstlichen 
Gewänder in der Kirche in Gebrauch genommen wurden, Sondern 
dass die Diener der Kirche und ihre Vorsteher bei der Feier des 
eucharistischen Opfermahles sich, der Form und dem Schnitte 
nach, jener Gewänder bedienten, wie sie damals von Vornehmen 
und Reichen, von Senatoren und Patriziern Rom's als Profan- 
gewänder öiientlich getragen wurden. Um jedoch llIissvei-stüml- 
nissen vorzubeugen, muss dem Ebengesagten hier noch hinzugefügt 
werden, dass diese in den gottesdienstlichen Gebrauch herübergc- 
nommenen Bekleidungsstücke feiner und reinlicher gewesen Sein 
mochten, als jene Profangewänder, wie man dieselben im ge- 
wöhnlichen Leben gebrauchte. Auch hat eine grosse Zahl von 
einschlagenden Stellen in den Werken älterer Kirchenschriftsteiler, 
die wir in dieser Frage zu Rathe gezogen haben, uns die Ueberzeu- 
gung beigebracht, dass die einmal zu gottesdienstlichen Zwecken 
benutzten Feiergewänder von edlern Stoffen von den Dienern der 
Kirche wieder nicht in den profanen Gebrauch herüber genommen 
zu werden pflegten, sondern dass sie als heilige Gewänder aus- 
schliesslich der Kirche verblieben.
        

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