Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6482
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Priesterthunn die Weihe und Aufnahme der Priester zum Tempel- 
dienste nicht mehr geschah durch Oelung und Salbrlng, sondern 
durch Uebergabe und Anlegung der einzelnen, vorhin beschrie- 
benen Gewänder. Die Priester des zweiten Tempels waren dem 
Ebengcsagten zufolge also keine Priester der Salbung, sondern 
Priester der Einkleidnng. Durch diese Veränderungen, die nach 
dem Baue des zweiten Tempels den Einrichtungen des ersten 
Tempels gegenüber eingetreten sind, dürfte auch der Umstand 
seine Erklärung finden? dass die Angaben des Flavius Josephus 
in Betreff der Form und Beschaffenheit der zu seiner Zeit beim 
Tempeldienste gebräuchlichen Gewänder in einzelnen Details nicht 
mehr in Einklang zu bringen sind mit den Vorschriften, die 
Moses selbst im Buche Exodus auf Geheiss des Herrn anführt.  
Abgesehen davon, dass mehrere der oben beschriebenen Gewän- 
der, wie sie das Gesetz Moses ausdrücklich anordnet, im Laufe 
der Zeiten ihrer äussern Form nach mehr oder weniger modi- 
{icirt worden sind, War im zweiten Tempel die künstlerische An- 
fertigung der priesterlichen und hohenpriesterlichen Gewänder einer 
besondern Kaste von Kunstwebern und Stickern übertragen, die 
anstossend an den Tempel, nämlich an der rechten Seite des Ein- 
gangsthores des Nikanors, eine besondere Werkstätte hatten. Die- 
selbe wird von ältern Schriftstellern "yvvazizuzov" oder „textrinum't 
genannt. Dieser Manufaetur, in welcher nicht nur dil: priester- 
liehen und hohen riesterlichen Gewänder, sondern auc die Vor- 
hänge des Tempäs angefertigt wurden, stand vor, wie die Tal- 
mudisten das angeben, ein "präfectus templi" und zwar bezeighnet 
als solchen der unten citirte Codex 2) einen gewissen Pinehas. Die- 
ser Pinchas hatte als „vestiarius" nicht nur, nach Ansicht Einiger, 
die Verpflichtung, den Priestern bei Anlegung der h. Gewänder 
behüliiich zu sein, sondern er trug auch Sorge für die Aufbe- 
wahrung nach Ablegung derselben und für die Anfertigung von 
neuen. Dieser Ansicht stimmt auch der gelehrte Maimonides 3) 
bei, indem ir anführää das? dieser Pinchashals Pxriiifeet gäsätztf ge- 
wesen sei ü er jene ünst er, die den nöt igen empe e ar an 
gottesdienstliehen Gewändern angefertigt hätten; auch fügt Mai- 
monides noch hinzu, dass derselbe seine Arbeitsstätte unmit- 
telbar beim Tempel gehabt habe. 
1) In den vorherigen Erklärungen haben wir an der Hand der Vorschriften 
Meses' die liturgischen Gewänder des alten Bundes zu entwickeln gesucht, 
unbekümmert um die Veränderungen, die beim zweiten und dritten Priester- 
a zästesrtititrerzgevil"t 
a) Hilchot Kele Hammicdasch, cap. VII. sect. ult.
        

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