Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6469
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ben Webstuhle auch die übrigen im Vorhergehenden beschriebe- 
nen priesterlichen und hohenpriesterlichen Gewandstücke im Al- 
terthume ohne Naht aus einem Stücke Entstehung finden konnten, 
wie das auch das Buch Exodus an mehrern Stellen hervorzuheben 
nicht unterlasst. 
Eine Hauptursache, weswegen die Anfertigung von Gewän- 
dern auf dem Webstuhle aus einem Stücke ohne Naht schon in 
der Kaiserzeit des heidnischen Rom's ausser Uebung kam, ist 
einfach darin zu suchen, dass, begreiflicher Weise, zur Anferti- 
gung runder nahtloser Gewänder bedeutend mehr Zeit und Kosten 
erforderlich waren. So vernehmen wir aus einer Stelle bei 
Cicero, 1) dass zur Vollendung eines solchen hIatronen-Gewandes 
ein Zeitraum von 3 Jahren erforderlich war, um es in der eben 
bezeichneten Weise ohne Naht auf dem Webstuhle zur Aus- 
führung zu bringen. Demselben Schriftsteller 2) zufolge war 
es durch Gesetz vorgeschrieben, dass ein einfaches Gewand 
ohne Naht in Monatsfrist vollendet QSGlD musste. Die An- 
fertigung reicherer und kunstvollerer Gewänder ohne Naht 
erforderte aber, je nach ihrer Feinheit, längere Arbeitszeit, und 
ist, aus'einern Citat bei Nonius zu entnehmen, dass zur Aus- 
führung einer reichern, kostbarern Toga in dem ebengedachten 
Verfahren oft eine Arbeitszeit von zehn Jahren erforderlich war, 
Rechnet man zu dem kostbaren und feinen Material, woraus die 
goldenen Gewänder des Hohenpriesters angefertigt wurden, auch 
noch die lange Arbeitszeit, die dem Ebengesagten zufolge zur 
Herstellung dieser Gewandstücke ohne Naht nöthig war, so 
leuchtet es ein, dass, wie früher angedeutet wurde, die Beschaffung 
der hohenpriesterlichen Gewänder grosse Summen erforderte. 
Gleichwie im Mittelalter, grösstcntheils in den stillen Mauern 
religiöser Genossenschaften und von frommen Frauen höherer Stände 
die liturgischen Gewänder der Kirche und ihrer Diener angefer- 
tigt zu werden pflegten, so war auch schon im alten Testamente 
die Zubereitung und Anfertigung der gottesdienstlichen Gewänder 
nicht Sache gewöhnlicher Handeltreibender und Kunsthandwerker, 
sondern es war die kunstgerechte Anfertigung derselben den Hän- 
den geschickter Männer übergeben, die von der h. Schrift be- 
zeichnet werden als „sapientes corde et repleti spiritu dei." 3) 
Cicero in Verrem actione VI. 
Cicero de legib. lib. II. 
Exodns, cap. XXVIII. 3: „Et loqueris cunctis sapientibus corde, quos 
replevi spiritu prudentiae, ut faciant vestes Aaron, in quibus sanctificutus 
ministret mihi."
        

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