Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6449
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die einzelnen Theile desselben geradlinig im rechten Winkel ein- 
gefügt sind, „tela rectattß) Da diese einfache Construction des 
Webstuhles nicht unähnlich ist jener Itlinrichtung des ,.jtigum" 
der Alten, so nehmen Einige nicht mit Unrecht an, dass die Stelle 
bei Ovid: „tela jugo juncta 0st," wegen der Aehnlichkeit dieser 
Construction mit einem Joch herzuleiten sei. 
Unter h haben wir auf Taf. IX ein Gewandstück veranschau- 
licht, nämlich einen runden und geschlossenen Leibrock, der jener 
in der h. Schrift erwähnten „tunica ineonsutilis" hinsichtlich 
seiner Form und seiner Anfertigungsweise ähnlich gewesen sein 
dürfte. Wie ein Blick auf den abgebildeten Webstuhl zeigt, wird 
die hier veranschaulichte „tunica rotunda", die auch zuweilen 
nrectaßß) genannt wird, nach oben hin gewebt, d. h. die Ein- 
sehlagsfäden werden, wie früher schon bemerkt, nach oben hin 
angeschlagen und zwar beginnend bei a und steigt dann der ge- 
webte Stoff als fertiges Gewand bis nach b herunter. Damit die 
beiden Ketten unter e und b in Spannung nach unten hin ge- 
halten Wurden, um den Einschlagsfatlen in jede Kette abwechselnd 
bei Umgehung des Webstuhles unter e und b einwerfen zu kön- 
nen, befanden sich, wie oben schon angedeutet, an dem Web- 
stuhl der Alten zwei schwere Gewichte, i und k, die die Ket- 
ten in der erforderlichen Richtung hielten. Da die übrige 
Construction des Webstuhles durch die Zeichnung von selbst 
anschaulich gemacht wird, so fügeißwir nur noch hinzu, dass die 
unter 1 und 111 aufgespannten Fäden die Kette veranschaulichen, 
die nach Anfertigung der von oben nach unten fertig gewebten 
„tunica" benutzt wurden, um in ähnlicher Verkehrung, vertical ge- 
spannt, als Aermel ohne Naht mit dem Leibgewand durch die Kunst 
der Weberin in Verbindung gesetzt zu werden. Es wird nämlich 
die unter l m horizontal gespannte Kette, nachdem das auf dem 
Stuhle befindliche Gewand vollendet ist, auf beiden Seiten abgg- 
schnitten und wird alsdann zuerst die eine Kette unter m von oben 
nach unten gehend so wieder aufgespannt, dass in gleicher Weise, 
wie das oben geschildert wurde, der eine Aermel vermittels zweier 
Ketten rundum geschlossen durch den Einsehlagsfaden sich all- 
mählig herstellt. Alsdann wird die andere Kette unter l vertical 
nach unten aufgespannt und im gleichen Verfahren als geschlos- 
sene „manica" gewebt. 
Durch das eben angedeutete Verfahren würde das Problem 
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Artemidor. lib_ III. cap. 36. 
Isidorus orig. lib. XIX. cap. 22.
        

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