Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6430
407. 
Wegen war die vollständige, vielfach angefochtene Erklärung dieser 
Stelle bei Johannes schon seit den Tagen des h. Hieronymus bis in 
das XVII. Jahrhundert bei allen folgenden Erklarern dunkel und 
verschlossen. So viel uns bekannt ist, gebührt einem Professor 
der Universität Gröningen, dem oft citirten Joh. Braunius, das 
Verdienst, dass er gegen Schluss des XVII. Jahrhunderts mit vie- 
lem Scharfsinn und grosser Belesenheit gegenüber der damals ziem- 
lich feststehenden Meinung älterer Gelehrten zuerst den Beweis 
geliefert hat, dass die eben angezogene Stelle beim Evangelisten 
Johannes wörtlich zu nehmen sei, d. h. dass man im vorchrist- 
liehen Alterthume die Kunst verstanden habe, Gewänder ohne Naht 
anzufertigen. Durch die tiefgehenden Erörterungen des ebengedach- 
ten Autors waren auch alle Schwierigkeiten hinsichtlich der ebenfalls 
beanstandeten Anfertigung der vorher beschriebenen priesterlichen 
und hohenpriesterlichen Gewänder ohne Naht als vollkommenes „opus 
textoris" mit einem Male gelöst. Um seine interessante Beweisfüh- 
rung auch dem Auge anschaulich zu machen, liess der ebenge- 
dachte Orientalist eine genaue Zeichnung anfertigen, welche den 
Webstuhl und seine mechanische Einrichtung veranschaulichte, 
die es möglich machte, dass im hohen Alterthum auf einer ein- 
fach construirten Maschine, jedoch nicht ohne grössern Zeigauf. 
wand, geschlossene Gewänder rund und ohne Naht angefertigt 
werden konnten. Wir haben auf Taf. IX, zur Erklärung des 
Ebengesagten, in verkleinertel Maassstabe diese Darstellung des 
Webstuhles nach der Anschauungsweise von Braunius wiederge- 
geben und sind im Wesentlichen der technischen Erklärung des- 
selben gefolgt. 
WVie heute noch im Orient, pflegten auch in vorchristlichen 
Zeiten die Gewänder ohne Naht meistens von Frauenspersonen 
angefertigt zu werden. Auf Taf. IX haben wir deswegen unter 
a eine yveberin zur Darstellung gebracht, die stehend an einem 
Webstuhle ihrem Kunstgewerke obliegt und den Stuhl umgeht, 
um das eine Mal in der einen Kette bei b den Einschlagsfaden d 
durchgehen, das andere Mal auf der andern Seite des WVebstuhles 
denselben Faden in der Kette c durchschiessen zu lassen. Die 
l-eehte Hand unter e hat den flachen Holzstab (spatha) gefasst, 
wodurch der Einschlag (subtemen, trama) nach oben angeschlagen 
und verdichtet wird, der, vermittels der Webspule (radius), be- 
Endlich unter f, in der linken Hand der Figur, in der Kette bei 
c eingeschlagen wird. G, g, g, g bezeichnen die 4 flachen Bal- 
ken, woraus, als wesentlichen Hauptbestandtheilen, der Webstuhl 
im Alterthum bestand. Artemidorus nennt diesen Webstuhl, indem
        

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