Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6425
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nmsg gehalten und wurde durch diese Anspannung vermittels der 
Gewichte der heutige Weberbaum ersetzt. Bekanntlich wird durch 
den Brustbaum auf unserem heutigen Webestuhle die horizon- 
tal liegende Kette angespannt. Bei Pollux führen diese Ge- 
wichtsteine den Namen "riyvüäeg" und nlefa, Irlat". 1) Die 
„spatha", ein dünner platter Stab von Holz, womit der Ein- 
schlagsfaden jedesmal nach obenhin angeschlagen wurde, leitet 
im Alterthume seinen Namen von der Schwertform her. Dieser 
dünne platte Stab von Holz leistete bei Anfertigung der sVeSteS 
reetae" zum Anschlagen und Verdichten der Einschlagsfaden den- 
selben Dienst, wie heute bei horizontal gespannter Kette das 
s. g. Weberried, wodurch ebenfalls der Einschlag angetrieben 
und verdichtet wird. Dem Vorhergesagten zufolge Wurden 
also die "tunicae inconsutiles" (ägigiatpot) stehend bei hängender 
und straff gespannter Kette so gewebt, dass der Einschlag nach 
obenhin vermittels einer platten Ruthe angetrieben wurde. Da 
aber durch eine solche Vorrichtung Leibröcke und andere, aus 
einem Vorder- und Hintertheile bestehende Gewänder rund ge- 
webt zu werden pflegten, so leuchtet es ein, dass an einem solchen 
Webstuhle neben einander und zwar vertical, zwei Ketten ge- 
spannt sein mussten. Der Weber jedoch hatte für die beiden 
Ketten, die parallel neben einander hingen, nur einen Einschlags- 
faden, den er vermittels der Spule abwechselnd durch beide 
Ketten hindurch gehen liess und durch die „spatha" anschlug 
und verdichtete. Indem nur ein Einschlagsfaden (lllfßh die bei- 
den dicht neben einander aufrecht gespannten Ketten gewoben 
wurde, so setzte dieser Einschlagsfaden die beiden Gewebe auf 
beiden Seiten gegenseitig in Verbindung und entstand durch diese 
Umbiegung des Einschlags aus dem doppelten Gewebe ein geschlos- 
senes Gewandstück. So gibt auch der Commentar des Tllßüpllylaßtug 
zu der Stelle bei Johannes: „erat autem tunica inconsutilis de- 
super contexta per totum," folgende Erklärung: sIm Orient 
verbindet man, wenn man Bekleidungsstücke webt, zwei einzelne 
Stoffe oder zwei Ketten, indem man sich statt der Naht des Zu- 
sammenwebens bedientß?) Casaubonus, Salmasius u. A., die in 
Abrede zu stellen suchten, dass Johannes XIX, 23 zufolge das 
Obergewand des Herrn ohne Naht aus einem Stücke gewesen 
sein sollte, konnten sich keine Vorstellung verschaffen von der 
technischen Anfertigung eines solchen Kleidungsstückes. Des- 
L 
J oanuem, XIX, 
Pollux, VII, 10. 
Theophylactus in
        

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