Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6414
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festigung der Kette und dic Art und Weise, wie der Einschlag 
eingewoben wurde, bedingt war. 
Die eine und einfache Art des Webens, die angewandt wurde, 
um halbseidene Gewebe und wollene Stoffe anzufertigen, bestand 
darin, dass der Weber dabei sitzend seine Arbeit verrichten konnte, 
indem die Kette entweder horizontal auf dem Webstuhl aufge- 
spannt war und der Einschlag vermittels der Spule ebenfalls in 
horizontaler Lage in die Kette eingeschlagen wurde, oder, indem 
die Kette vertieal auf dem Webstuhle nach unten hin aufgespannt 
war und der Einschlag durch die Spule mit der Kette verarbeitet, 
durch die Wcberlade, den Schläger, nach unten hin niedergedrückt 
und auf diese Weise das Gewebe verdichtet wurde. Die andere, 
ungleich schwierigere Art zu weben, ergab sich so, dass der 
Weber an dem Webstuhl stehend sein Kunstgewebe anfertigte, 
und die Kette nach obenhin vertical gespannt war, so dass die 
Einschlagsfaden vermittels eines glatten Stabes von Holz (spatha) 
nach obenhin geschoben und durch Anschlagen verdichtet Wurden. 
Diese letzte complicirtere Art des Webens wurde natürlich nicht 
bei Stoffen rnässiger Breite angewandt, sondern es wurden in 
dieser Weise Doppelgewebe, deren Ketten neben einander gespannt 
waren, angefertigt, die, an beiden Seiten zusammengewebt, ein run- 
des Gewandstück ohne Naht bildeten. Auf diese zweifache ver- 
sehivedene Art des Webens nimmt auch eine Stelle bei Herodot 
Bezug, wo er sagt: "Einige weben, indem sie den Einschlag 
(subtemcn, trama) in die Höhe treiben, andere aber, insbesondere 
die Acgvptier, verfertigen Stoffe, deren Einschlag nach unten hin 
verdichtet wird." S0 drückt sich auch Theophylaetus aus an einer 
Stelle, die Casaubonus citirt; dieselbe lautet, aus dem Griechi- 
schon lateinisch wiedergegeben: "Alii quidem dicunt quod in 
Patlestina telas non texant, qucmadmodum apud nos. Quando 
licia 1) superne sunt, deorsum texunt telam, atque sie aseendunt- 
At vero si licia sint infra, sursum texunt telamü") Deswegen 
nannte man auch jene aus einem Stück gewebten GeWänlleY, die 
vom Weber stehend angefertigt und deren Einschlag nach oben- 
hin angeschlagen wurde, „vestes rectaerß) Die Kette bel dleser 
Webart des vorehristlichen Alterthums, Welche Vßrtißal V00 Oben 
nach unten befestigt war, wurde durch zwei Gewichte in Span- 
   11b d  _ K m. 
ääfgäääiääcctug iäffdciiifxlgihm ead Barouium. Exercit. XVI. cap. LXXXIV. 
Recm dimm. W555, (luam sursum versum stantes texunt. Isidorus Orig. 
lib. XIX. cap. 22. 
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