Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6393
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unter Beigabe der nöthigen Zeichnung, den Nachweis zu führen, 
Welcher technischen Einrichtungen und Vorkehrungen man sich 
im Alterthume bediente, um, wie es ausdrücklich in der h. 
Schrift heisst, die oben besprochenen priesterlichen und hohen- 
priesterlichen Gewänder ohne Naht und ohne Zuthat irgend einer 
Nadelarbeit aus einem Stücke anzufertigen. Wenn man den An- 
gaben und Nachweisungen Braunius' in seinem oft belobten 
Werke unbedingt Gewicht beilegen wollte, so würde man zu 
der Annahme sich veranlasst finden, dass in der römisch-klassischen 
Zeit, namentlich aber in der Periode vor Augustus die "sartores" 
und "sarcinatrices", unsere heutigen Schneider und N äherinnen sich 
darauf beschränkt hätten, die Verzierungen durch das „opus 
phrygionicum" auszuführen; im Uebrigen jedoch wären nur die 
Franzen an den reichern Gewändern hinzugenäht worden, so wie 
einzelne verzierende Stoifstücke, die man vermittels der Nadel auf 
die "chlamys" Oder sfßga" geheftet habe. Hierhin wären auch zu 
rechnen Ornamente, wie die nlaticlavi" und "angusticlavi", die 
"lora", die "paragaudae" und andere vielfarbige Ornamentstücke. 
Dem ebengedachten Schriftsteller zufolge hätten sich die "sartores" 
und die „sarcinatrices" im klassischen Alterthum meistens darauf 
beschränkt, die schadhaft gewordenen Gewänder durch Nähen 
und Flicken bloss auszubessern. 1) Die Gewänder selbst hingegen 
seien ohne Anwendung der Naht durchaus gewoben worden, und 
nicht nur allein die viereckigen und länglichen Gewänder, die 
meistens aus einem Stücke bestanden, sondern auch vorzüglich 
jene Gewänder, die rund gewesen seien und aus mehrern Stücken, 
zur Bedeckung einzelner Körpertheile, zusammengesetzt waren. Bei 
dieser Annahme stützen sich andere Schriftsteller vorzüglich auf 
jene Angaben bei Galenus in seinem Buche an den Thrasybulus, 
wo er ausführlicher von den verschiedenen Bekleidungsstücken 
handelt und von der Kunstfertigkeit, dieselben anzufertigen. Der- 
selbe erwähnt in dieser Schrift mit keiner Silbe der Schneider 
und Gewandnäherinnen, sondern er scheint nur als Anfertiger 
der Gewänder die Weber zu kennen. Auch vielbelesene Männer, 
wie: Casaubonus, Salmasius 2) u. A. leisten der Ansicht Vor- 
 VgL hierzu Ae1;an_ de gnimal. lib. VL, 57 und HippOCIHQBS de vict. Rat. 
lib. I.  
z) VgL salmasius ad Aelium Lampridium in Cairaqallo und. Casfauponus 1.11 
exerci; XVI. num. CXVII; derselbe sagt xjurtlxch: hodze rarxsslme ve-stxs 
aliqua conficitur sine sarcinatoris opera; 011m vero parandarum vestmm 
alia ratio fecit: textores enim vestes absolvebant; ncque eorum opera, ut 
Liturgische Gewänder. ü 27
        

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