Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6363
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ohne Nath gewesen sein muss, lässt sich daraus entnehmen, dass 
die Anfertigung der rundgewebten Tunica allein mehrere Jahre 
Arbeitszeit erfordert haben soll, wie das Sehriftausleger be- 
richten. Nicht weniger trug die grosse Zahl der goldenen „tin- 
tinnabula", die als Fransen den Saum des hohenpriesterlichen 
Palliumsschmückten, dazu bei, diese hervorragenden Gewänder 
im Preise bedeutend zu vertheuern, indem, wie früher bemerkt, 
diese vielen Sehellchen aus feinstem Golde angefertigt waren. Des- 
gleichen erforderte auch der Ankauf der grossen Sardcnyxsteine 
auf den Schultertheilen des Ephods für die damalige Zeit grosse 
Summen, zumal sie von dem Umfange sein mussten, damit auf 
jedem derselben sechs Namen von etwa 36 Buchstaben eingegra- 
ben werden konnten. Die einstimmigen Berichte älterer Schrift- 
steller möchten, nach heutigem W'erthe, übertrieben und un- 
glaublich erscheinen, wenn sie den erstaunlich hohen Werth der 
zwölf sculptirten Edelsteine beschreiben, deren heller Glanz dem 
„rationale judicii" zur hohen Zierde gereichte. Denn nicht nur 
erforderte damals der Ankauf dieser Steine, sondern auch die 
vorgeschriebenen Sculpturen derselben, Summen, die unsere heu- 
tigen Begriffe bei weitem übersteigen, wie das ausführlich bei 
Plinius 1) zu ersehen ist. S0 bestand oft, klassischen Schriftstel- 
lern zufolge, im hohen Alterthume der Werth eines ganzen Ver- 
mögens oder ausgedehnter Landgiiter in einem einzigen Steine, 
den Fürsten und Grosse, meist in prächtiger Fassung, am Finger 
oder amHalse trugen. So besass z. B. nach Angabe des Plinius 2) 
Lollia Paulina als Verzierung eines Kopfschmuckes Smaragden, 
Perlen und Edelsteine, die 600,000 Sestertien gekostet hatten, 
eine Summe, die heute mehr als zwei Millionen Thaler betragen 
wurde. Wenn also grössere Edelsteine und ihre künstliche Be- 
arbeitung im vorchristlichen Alterthum solche fabelhafte Summen 
zum Ankauf erforderten, so leuchtet es ein, dass nach An- 
sicht eines altern Schriftstellers Wohl leicht jeder sculptirte Edel- 
stein in seinem grossen Umfange auf dem eben beschriebenen 
„rationale judicii" für sich allein den Werth eines bedeutenden 
Vermögens oder grosser Länderstriche repräsentirt habe. Aus 
dem Angegebenen mag zur Genüge entnommen werden, dass 
Gewänder von der Feinheit des vorgedachten Materiales, der 
Vorzüglichkeit ihrer Färbung und endlich von der Kunstfertig- 
keit der Weberei, was Kostspicligkeit betrifft, nur Fürsten- 
l 
Plinius, lib. IY, cap. 
Plinius, loco citato. 
5 
XXXV.
        

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