Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6308
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wählt werden musste. Unter den „vestcs albac" des H ohenpriesters 
am grossen Tage der Versöhnung unterschied sich nur allein der 
Gürtel desselben von dem entsprechenden ßbaltcus" der Opfer- 
priester, indem die hohepriesterliche Leibbinde an diesem einen 
Tage nicht durch das „opus rokem", d. h. Stickerei in vielfaehem 
Blumenwerk, verziert, sondern ohne alle gestickte Ornamente, 
bloss aus feinem blendendweissen Byssus angefertigt war. Der 
Gürtel, wie er zu den weissen Gewändern des Hohenpriesters 
gehörte, bestand also nicht wie der, den er bei dem goldenen 
Gewändern zu tragen pdegte, aus einer „ mixta materia", was 
der Hebräer mit dem Ausdrucke "schaadnez" bezeichnete, sondern 
er war vom feinsten ägyptischen Byssus, ohne jede Anwendung 
von eingestickten Dessins. Die Kopfbinde des Hohenpriesters, die 
als viertes und letztes Stück zu den „vestes albae" am zehnten 
des Monats Tisri getragen wurden, unterschied sich von der 
"cidaris" der gewöhnlichen Opferpriester, in sofern, als die 
hohepriesterliche Tiare in der Weise um das Haupt geschlungen 
wurde, dass sie eine niedrige turbanförmige Kopfbedeckung bildete, 
wohingegen der „pileus" der übrigen Priester, in WVeise eines 
Helmes erhöht, über dem Scheitel des Hauptes aufgewunden 
wurde.  Ausserdem trug der Hohepriester an diesem einen Tage 
nicht die „c0rona aurea", d. h. die im Vorhergehenden beschrie- 
bene goldene Stirnbinde, die sonst immer, wenn er im Tempel 
erschien, mit der Tiare in Verbindung stehen musste. Unter den 
betreffenden Schriftstellern, die umfangreiche Werke über den 
mosaischen priesterlichen Ornat geschrieben haben, walten Zwei- 
fel vor, ob nicht das eben beschriebene Bussgewand, das der 
Hohepriester am Versöhnungstage tragen musste, aus einem 
einfachen Leinenstofie und nicht aus dem feinsten Byssus an- 
gefertigt gewesen sei. Nach Vergleich der verschiedenen An- 
sichten, die darüber geltend gemacht worden sind, glauben 
wir die Ansicht hier aufstellen zu dürfen, dass zwischen dem 
„bad" und dem "schesch" (inoschsa), wie die zu den „ves- 
tes albae" verwandten Stoffe benannt werden, kein Unter- 
schied, was das Stoffliche und dessen WVerth betrifft vor- 
gewaltet habe, und dass jede dieser Namen den ägypzisßhen 
oder indischen Bynssus bezeichne. Nur in der Textur ist ein 
Unterschied zu suchen, indem, wie schon früher bemerkt, 
dasnscheseh" ein seehsdrähtiges feines Byssusleinen war, dessen 
Kette und Einschlag aus sechsfach gezwirnten zarten Fäden be- 
stand, wohingegen das "bad" ein feines Gewebe bezeichnet, dessen 
Kette und Einschlag eindrähtig sind, d. h. bloss bestehend aus
        

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