Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6282
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Sculpturwerken erhalten haben, lassen die Tiare erkennen als eine 
oben abgerundete, erhöht ansteigende Kopfbekleidung, analog der 
alt-testamentarisehen priesterlichen "cidaris", und zwar scheint das 
Stoffliche dieser ältern Kopfzierde, insbesondere im XII. und XIII. 
Jahrhundert, fast ein Geflechte vorzustellen, wie das ersichtlich 
ist an der interessanten Tiare, womit das Haupt an den Bild- 
werken verschiedener Päpste geschmückt ist, die sich unter den 
grossartigen Eingangshallen (porches) der Kathedrale von Chartres 
heute noch vorfinden. Ein Gypsabdruck, den wir von einer solchen 
„mitra papalis", die das Standbild des h. Kirehenlehrers und 
Papstes Gregor des Grossen unter der südlichen Vorhalle des 
Domes zu Chartres trägt, an Ort und Stelle uns zu verschaffen in 
der Lage waren, macht es uns möglich, auf Taf. VII, Fig. 5 eine 
altere päpstliche Tiare bildlich zu veranschaulichen, wie sie, nur mit 
einer Krone umgeben, im XII. und theilweise im XIII. Jahrhundert 
beschaffen war. Auch auf Taf. VI ist, aus derselben Zeitepoehe 
herrührend, das seulptirtc Bild eines Papstes veranschaulicht, das 
als sechs Fuss hohe Statue die Eingangslatibe am Dome zu Rheims 
schmückt. Auch diese ziemlich spitz ansteigende Tiare ist in Weise 
eines „eirculus aureus" nur mit einer Krone umgeben. Zahlreich 
sind die heute noch erhaltenen Monumente sowohl in Sculptur, als in 
Malerei, die uns die spätere Ausbildung und Entwickelung des päpst- 
lichen Kopfschmuekes, mit einer dreifachen Krone geziert, zur An- 
schauung bringen. Namentlich weisen die vielen heute noch er- 
haltenen Temperamalereien der altkülnischen Schule eine grossc 
Zahl von päpstlichen Mitren des späten Mittelalters nach, in wel- 
chem schon die Anwendung der dreifachen Krone an der „mitra 
papalis" zur Geltung gekommen ist. S0 stellt Taf. VII, Fig. Gdas 
mit der dreifachen Krone geschmückte Brustbild eines Papstes vor, 
dessen Bild in Tempera gemalt aus dem Beginne des XV. Jahr- 
hunderts herrührt. 1) Wenn die Tiare des Hohenpriesters im 
alten Testamente mit der goldenen Stirnbintle geschmückt, wie sie 
nach der Ansieht vieler Talxnudisten unter Fig. 3 auf Taf. VII veran- 
schaulicht ist, in verwandtschaftliche Parallele zu setzen sein dürfte 
mit dem entsprechenden päpstlichen Ornat, wie derselbe, nur mit einer 
corona. verziert, im frühern Mittelalter (vgl. Fig. 5) im Gebrauche 
war, so könnte die pitpstliche Kopfbedeckung, mit der dreifachen 
Krone geschmückt, als Analogie betrachtet werden zu der Tiare 
 Diese interessante Temperamalerei befindet sich noch heute in der Kirche des 
h. Cunibert in Köln und bildet mit andern Bildwcrkcr: die Thürv eines 
ehemaligen Flügel-Altare: aus der Frühzeit der Kölnischen Malerschulc.
        

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