Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6241
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Orte sein, die gewagten Hypothesen der Talmudisten und 
anderer altern Autoren über diese Einzelheiten vorzubringen. Wir 
beschränken uns deswegen hierorts darauf, als Resultat wei- 
terer Nachforschungen und Vergleichungen Folgendes über die 
Anlegung der "corona" und die Verbindung derselben mit der 
Tiare in Kürze anzugeben. In Capitel XXVIII des Exodus 
wird von Vers 36-39 einschliesslich von der Form, der An- 
legungsweise und dem Zwecke der „larnina aurea" als Kron- 
binde ausführlich gehandelt. Die betreffentle Stelle lautet wie 
sie die Anmerkung enthält. 1) Dem vorher Gesagten zufolge 
dürfte diese unten angegebene Vorschrift des Exodus ziemlich 
verständlich sein; in Betreff der Erklärung einer Stelle je- 
doch können Meinungsverschiedenheiten obwalten. Auch Fla- 
vius J osephus, 1) Philo Judacus 3) und die s ätern Ausleger sind 
hinsichtlich der Deutung dieser einen Stellle) verschiedener An- 
sieht. Die beiden Erstgenannten erklären nämlich den zweifel- 
haften Ausspruch so: "und du sollst sie (lamina) befestigen mit 
hyazinthfarbiger Binde und sie wird sein über der Tiare". Die 
Krone soll also befestigt sein über dem K0 fbundc, das heisst, die 
goldene Stirnbintle soll aufliegen auf dem ungern Rande der Tiare. 
Diese Erklarer nehmen also an, dass der untere Rand dieser Kopf- 
bedeckung unter der Stirnbinde sich befunden habe: mlt andern 
"Worten, dass der untere Saum der Tiare von der angebundenen 
ncorona" bedeckt worden sei. Dahingegen behaupten andere an- 
gesehene Schriftkundige und unter diesen vornehmlich Jarchius, 
wodurch alle Schwierigkeiten über die Anlegung gelöst Werden: 
das „erit super tiaram" wäre nicht zu beziehen auf die alamina", 
sondern auf die zuletzt genannte „vitta hyacinthina". Sie stützen 
untern anderm ihre Annahme (larauf, dass es M1 einer andern 
Stelle von der Kronbinde heisst; „erit super frontcm Aaraonis"; 
sie wollen also, dass die goldene Kronbinde unmittelbar das 
Fleisch der Stirne berührt habe und nicht auf dem untern Rande, 
der Tiare befestigt und angebunden worden sei. 
Diesem zufdlge warco also die hyacinthfarbige Binde über 
den Kopfbund hingelegt und am Hinterkopfe mit den übrigen 
1) „Facies es laminam de auro purissimo in qna SCÜPCS Opere caelatoris: 
Saucmm Domino. Legabisque eam vizta hyacinthinla e: eril: super tiaram, 
imminens fronti pontificis. Partabitque Aaron iniqultßteß eorum, quae ob- 
tulerunt et sanctificaverunt, ülii Israel in cunctis muneribus et donariis suig, 
Em autem larnina Bemper in fronte ejus ut placßwß Bit eis Dominus! 
z) Flavins Josephus antiq. lit. V. cap. XV. 
3) Philo, lib. III, de vita. Mosis.
        

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