Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6219
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aus zwei Stücken bestehend darzustellen, 1) wozu die oben ange- 
führte Stelle von Flavius Josephus verleiten könnte, und nehmen 
an der Hand des Maimonides 1) lieber an, dass das "mitznephet" 
des Hohenpriesters nicht aus zwei, sondern aus einem Stücke 
bestanden habe, und dass also die langen Byssusbinden nicht in 
Form eines Heimes, hochansteigend und mit gebrochener Spitze, 
sondern mehr in Weise eines Turbans, in mehr breiter, gedrückter 
Form getragen worden seien. Um die Niedrigkeit und die Auf- 
häufung der Stoffmasse zu veranschaulichen, die durch Ümwicke- 
lung des Hauptes mit der hohenpriesterlichen Byssusbinde her- 
beigeführt wurde, braucht Maimonides noch den passenden Ver- 
gleich: diese um das IIaupt gelegte Byssusbinde habe sich 
angesehen, wie wenn man ein zerbrochenes Körperglied mit einer 
Menge von Binden und Stoffen nmwickele. In ähnlicher Weise 
setzt auch ein anderer jüdischer Gelehrter den Unterschied zwi_ 
schcn der Kopfbedeckung der einfachen Priester und der des 
Hohenpriesters auseinander, indem er sagt: der "mitznephet" ist 
ein langer Gewandstreifen, der vielfach um das Haupt gewunden 
wird, ähnlich jenen turbanförmigen Kopfbedeckungen, wie dieselben 
in verschiedenen Gegenden die Frauen zu tragen pflegen. Aus dem, 
was wir auf Seite 348 und 349 über die Form des "migbaoth" gesagt 
haben und was im Vorstehenden über die Gestaltung des "mitz- 
nephet" angeführt worden ist, erhellt, dass die hohepriesterliche 
Kopfbedeckung kein „p1leus altus" gewesen sei, wie die bildende 
Kunst im Mittelalter dieselbe immer als hohe Judenhüte darzustellen 
wusste, sondern dass, im Unterschiede von der Kopfbedeckung 
der gewöhnlichen Priester, der Hohepriester eine niedrige, mehr 
zusammengedrückte „tiara" getragen habe, deren Stcifmasse um 
die Schlafe gewunden worden sei und in Form eines halbnmden 
Turbans das Haupt bedeckt habe. Die Anlegung und Befesti- 
gung (lieser Tiare vermittels durchgezogener Schnüre geschah in 
derselben WVeise, wie diese Anlegung auch beim "pileus" der 
Opferpriester vorgenommen wurde, wie wir das auf Seite 349 
und 350 ausführlicher nachgewiesen haben. 
Die Kopfbedeckung nach Anschauung des F1. Josephus 
Tafel VI, Fig. 4 zur Abbildung gebracht. 
Vgl. Maimonides Kele Hammikdasch, lib. VIII. cap. V, 
haben 
wir
        

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