Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6160
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steinen auf den Schultern des Ephods. Augustinus verweiset 1) 
in seinen Erklärungen zu dem Buche Excdus diese Eigenschaft 
des Ürim et Thummim in das Gebiet der Fabeln. Hinsichtlich 
der mysteriösen Bezeichnung „Urim et Thummim" sind die ge- 
inäissigten und besonnenen jüdischen Talmudisten, desgleichen 
auch die Ausleger der jerusalemitanischen und babylonischen 
"Gemara" der Ansieht, dass unter dem Ausdrucke Urim et Thum- 
mirn vorzugsweise die zwölf Edelsteine des Pectorals und deren 
leuchtender Glanz zu verstehen sei. Diese hellglänzenden Edel- 
steine in dem „peet0ralc judicii", denen man später eine geheim- 
nissvolle Kraft und eine zukunftverkündigende Eigenschaft ange- 
dichtet hat, würden also als das Wesen des mysteriösen "Urim 
et Thummim" bezeichnet werden können. Es würde zu weit führen, 
wenn wir hier näher darauf eingehen wollten, alles das zu entwickeln, 
was grossrednerisehe Talmudisten und Kabalisten über das eigent- 
liche Wesen jenes mystischen Urim et Thummim gesagt und geschrie- 
ben haben. Mehrere jüdische Erklärer der heiligen Schriften sind 
nicht der Ansicht, dass das Peetorale selbst mit seinen leuchten- 
den Edelsteinen als das „rö Urim et Thummim" zu betrachten sei, 
sondern dasselbe sei ein für sich selbstständiger geheimnissvoller 
Gegenstand gewesen, der in das gedoppelte Pectoralgewvand cin- 
geschoben worden sei. Es sei dieses jenes "rergayräzeltturollß gewesen, 
nämlich der von Gott selbst geschriebene oder in Stein sculptirte 
Name des Allerhüchsten, den er dem Moses gegeben und ver- 
mittels desselben Aaron und die spatern Hohenpriester die Zu- 
kunft erkannt hätten. 2) Andere Autoren und unter diesen ge- 
lehrte Männer, wie Christoph. Castri 3) und Joh. Speneer 4) haben 
ihre Meinung dahin ausgesprochen: das fragliche Urim et Thum- 
mim habe in zwei kleinen geschnitzten Bildwerken bestanden, 
ähnlich den kleinen Idolen der Heiden, die man "Teraphim" ge- 
nannt habe; dieselben hatten auf die betreffenden Fragen mit ver- 
nehmlicher Stimme geantwortet. Andere hingegen nehmen als Erklä- 
rung an, dieses fabelhafte Geheimding seien einzelne Gedenkworte 
gewesen, die man, auf Pergamentstreifen geschrieben, in die Pectoral- 
tasehe eingeschoben habe. Diejenigen, die ein Näheres über das sa- 
genhafte Urim et Thummim vernehmen wollen, mögen in altern und 
neuern Schriftstellern eine ganze Kette von gewagten Behauptungen 
August. in Exod. quaest. CXVII. 
Targ. Jonathae ad Exod. II, XXL, und Cod. Sanhedrin, 
Christoph. Castri de vaticinio, lib. III. cap. III. 
Joh. Spencer, dissertatio de Urim et Thummim. 
12 
I) 
VI 
VII. 
B8
        

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