Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1739
kein Zweifel darüber obwalten, dass dieser Stoff von Griechen an- 
gefertigt wurde und dass diesem „palliu1n leoninum" eine symbo- 
lische Deutung unterlegt werden kann. 
Repräsentirt nämlich in der christlichen Bildnerei , wie das 
llllbelwßifelt feststeht,  der königliche Löwe vom Stamme 
Juda, den Heiland, so könnte im vorliegenden Dessin der Heiland 
als Herr und Gebieter der Schöpfung bezeichnet und darauf in 
Anwendung gebracht werden der Spruch des Psalmes: „Ueber 
Schlangen und Molchen wirst Du einherschreiten etc." 
Dem Anastasius folgend könnte man hier noch mehrere by- 
zantinische Gewebe namhaft machen, in denen symbolische Thier- 
gestalten, mit Sprüchen und Kreuzen durchwebt, zur Darstellung 
kommen. Häufig fallen aber auch bei griechischen Webereien die 
Thierornamente ganz fort, und ES erSßlleinen, zumal unter der Re- 
gierung der glanz- und kunstliebenden Kaiser aus dem Geschlechte 
der Comnenen, wo sich bereits die Weberei unter den Händen der 
kunstfertigen, gewinnsüchtigen Griechen bedeutend gehoben hatte, als- 
bald in Stoffen gewebte Scenerien, die oft dem alten, meistens aber 
für liturgische Zwecke, dem neuen Testamente entlehnt waren. 
Abbe Martin, der vermöge der Leichtigkeit, womit er histo- 
risch merkwürdige Stoffe ihrem Charakter nach treu zu copiren 
versteht, eine ausgedehnte Rundschau in den alten noch vorfind- 
lichen Webereien des Mittelalters angestellt hat, theilt uns in sei- 
nem neuesten WVerke 2)_ die polychromirte Abbildung eines merk- 
würdigen Gewebes mit, das in der St. Walburgiskirehe zu Eichstaedt 
aufbewahrt Wird. Dasselbe befand sich in einem Reliquien-Schrein, 
welcher Gebeine des h. Willibald in sich sohliesst , und dürfte nach 
dem Urtheile des eben gedachten gelehrten Jesuiten dem X. Jahrhun- 
dert angehören. Der Fond dieses croise-Gewebes ist violet. Der 
oftgenannte Anastasius würde dieses Gewebe der zirkelrunden Ein- 
fassungen wegen zu den „velis rotatis cum orbiculis" gerech- 
net haben. Das immer wiederkehrende von diesen Kreisen um- 
schlossene Sujet stellt Daniel in der Löwengrube dar. Diese Darstel- 
lung des Daniel im Schoosse der Erde, umgeben von wilden Thie- 
ren, unter beständiger Obhut des Herrn, „der den Rachen der Löwen 
Zügelbe," War bereits den frühesten christlichen Jahrhunderten ein 
bekanntes und erhebendes Symbol, das beständig an den Schutz und 
Beistand des Allmächtigen diejenigen erinnerte , die in unterirdischen 
Höhlen heimlich vor ihren Drangern und Peinigern die Mysterien 
i) Vergl. Didron „J conographie etc." 
2) Mälanges dUh-chäologie par Charles Cahier et Arthur Martin vol. II., livr. VIII. 
 Liturgische Gewänder. Q
        

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