Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6120
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Nach der Vorschrift Moses' 1) war das Brustschild vier- 
eckig und gedoppelt, und betrug die grösste Ausdehnung dessel- 
ben eine Spanne im Quadrat. Mit dieser Grüssenailsdehnung 
stimmt auch die Angabe bei Flavius J osephus 2) überein. Damit 
dem Brustschild, das, wie wir gleich sehen werden, auf der 
Aussenseite mit so vielen in Gold gefassten Edelsteinen verziert war, 
eine grössere Festigkeit gegeben werde, die es vor Beschädigung 
und Zerreissen schützen sollte, so musste dasselbe, nach der Anord- 
nung des Exodus, gedoppelt genommen werden. Die hebräischen 
Ausleger der heiligen Schriften sind uneins, ob diese gedoppelte 
quadratische Rückseite des Brustschildes mit dem Vordertheile, 
worauf die Edelsteine befestigt waren, nach allen vier Seiten als 
Ganzes verbunden gewesen sei, oder ob dieser Hintertheil an 
einer Seite, ähnlich einer viereckigen Tasche, eine Oeffnung ge- 
habt habe. Das "choschen" musste immer vereint mit dem Schul- 
tergewand getragen werden, und hätte es einer Sühne bedurft, 
wenn ein Hohepriester es jemals gewagt haben würde, dieses 
kostbare Brustschild allein anzulegen, ohne dasselbe mit dem 
darunter befindlichen Schulterkleid in Verbindung zu setzen. 
Welche Einrichtung hatte nun das Rationale, um behufs der An- 
legung mit dem Ephod in Verbindung treten zu können? Der aus- 
drücklichen Vorschrift Moses' zufolge befanden sich nämlich an den 
vier Ecken dieses Brustschildes goldene Ringelchen, zwei oben 
und zwei unten; auf die beiden obern bezieht sich die Stelle: 
„und du sollst anfertigen zwei goldene Ringe und sie einfügen 
den beiden Ecken des Pectorals", und auf die untern goldenen 
Ringe die andere Stelle: „Du sollst anfertigen zwei goldene 
Ringe und sie befestigen an beiden Ecken des Pectorals, auf dem 
untern Rande desselben, innerhalb, nach der Richtung des Ephods 
hin." Der fernern Anordnung des Exodus gemäss befanden sich 
an den beiden obern Ecken des Pectoralschildes, und zwar an den 
beiden ebengedachten goldenen Ringelchen, kleine, gleich lange und 
bewegliche Kettchen, die ebenfalls von reinem feinen Golde waren 
und aus einem „opus tortile" bestanden. Diese Kettchen bildeten 
also ein zartes Flechtwcrk und waren nicht aus einzelnen Glie- 
dern zusammengesetzt. Wie unsere Zeichllllng auf Tafel I, Fig. 7 
und Tafel III das veranschaulicht, mündeten diese beiden ge- 
flochtenen Kettchen nach oben in kleine Haken aus, vermittels 
Exod. XXVIII, 16. 
Flavins Josephus Antiq. 
3 
lib. 
III. 
VIII.
        

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