Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6117
Brustsehild, 
"Pectorale, 
rationale" 
(choschen). 
Tafel 
Fiä 
und 
Tafel III. 
Nachdem der Pontifex maximus im alten Bunde sich beklei- 
det hatte mit dem kostbar in vielfarbigen Dessins durchwirkten 
Ephod, verband er mit dem letztgenannten Gewandstücke das 
Brustschild. Dieses siebente Ornament des Hohenpriesters kann 
man nicht so sehr als ein eigentliches Gewand betrachten, son- 
dern dasselbe war vielmehr eine kostbare Agraffe, ein für sich 
selbstständiges Kleinod, das den Ausschnitt des Schultergewandes 
auf der Brust ausfüllte und bedeckte. Der Herr selbst schrieb 
durch den Mund des Moses im Exodus die Form und Beschaf- 
fenheit dieser Brustzierde mit folgenden Worten vor: „rationale 
quoque iudicii facies, OPeYC polymito". Nach dieser allgemeinen 
Vorschrift gibt Moses gleich darauf die speciellen Anweisungen, 
wie bis in's kleinste Detail dieses kostbare Brustschild einzurich- 
ten sei, wie es angelegt werden müsse und welche Bedeutung es 
habe. Diese genau bestimmten Vorschriften reichen im Exodus 
Cap. XXVIII von Vers 15-31 und Cap. XXXIX, von 8-18, 
Keines der übrigen hohepriesterlichen Gewandstücke ist in der 
h. Schrift so genau vorgezeichnet; keines aber auch war von der 
Kostbarkeit und hatte, wie wir gleich sehen werden, jene hervor- 
ragende Bedeutung, wie dieses smtiollale iudicii". Das Material, 
aus welchem diese Brustzierde angefertigt werden musste, war 
identisch mit dem Stoffe, aus welchem, dem Vorhergehenden zu- 
folge, das Ephod genommen wurde. Es war nämlich das npeg- 
torale" seiner Textur und artistischen Beschaffenheit nach ein 
„opus ingeniosissimum", d. h. die in demselben ersichtliche Muste- 
rung in vielen Farben, war nicht durch Stickereien hervorgerufen, 
sondern dasselbe WM auf dem Webstuhle künstlich angefertigt, 
so dass durch die Kunst des Webers auf der V0rder- und Rück- 
seite die Dessins gleichartig ersichtlich waren, wie wir eine solche 
äusserst kunstreiche Textur und Musterung als ein „opus textoris" 
auch an dem im Vorhergehenden beschriebenen Schultergewand 
näher nachgewiesen haben. Die Kette des Pectorals bildete ein 
sechsdrähtiger feiner Byssusstoä und wurden durch den Ein- 
schlag in himmelblauer, purpurvioletter und scharlachrother Wolle 
die verschiedenen Dessins erzielt. Wie uns jüdische Schriftfor- 
scher das auseinandersetzen, waren die eingewirkten Muster in 
dem Rationale dieselben, wie sie auch in dem vorherbeschriebenen 
Schultergewand ersichtlich waren.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.