Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6108
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zwei Sardonyxsteine mit den eingegrabenen Namen der zwölf 
Stämme Juda's ist dieses entsprechende neu-testamentarische Ge- 
wand auf den Schultern verziert mit gestickten Medaillons, inner- 
halb welcher die Namen der zwölf Apostel, je sechs und sechs 
auf jeder Schulter, gestickt sind. Gleichwie ferner das Schulter- 
gewand des Mosaismus ein "opus choscheb" war, welches, wie wir 
oben gesehen haben, als „opus ingeniosissimum" die reich einge- 
wirkten Dessins auf beiden Seiten gleichmässig erkennen liess, so 
ist das Ephod des neuen Testamentes auf beiden Gewandtheilen 
mit kunstvollen Gold- und Seidenstiekereien zumeist in bildlichen 
Darstellungen auf's reichste ausgestattet. Um die Verwandtschaft 
des alt-testamentarischen Ephods mit dem heute nur noch selten 
im Gebrauche befindlichen „superhumerale episcoporum" deutlicher 
zu veranschaulichen, haben wir auf Tafel V die Abbildung jenes 
merkwürdigen Schulterkleides in getreuer Abbildung dargestellt, 
das sich heute noch im Domschatze zu Regensburg, aus dem 
XIII. Jahrhundert herrührend, voründet. 
Es würde uns zu weit führen und nicht dem Zwecke der 
vorliegenden Arbeit entsprechen, wenn wir am Schlusse der Be- 
sehreibung eines jeden „indumentum legaler auch noch auf die 
allegorische und tropologische Bedeutung desselben ausführlicher 
hinweisen wollten. Diese Seiten haben Arias Montanus, J. 
Hieron. Sopranis und Lightfootius gründlich behandelt. Schrift- 
steller, die die mystische und symbolische Seite der alt-testamenta- 
rischen Gewänder vornehmlich betont haben, geben an, dass die 
beiden getrennten Theile des Ephods das Heidenthum und die 
Kinder der Auserwählten versinnbildeten. Der Theil des Gewan- 
des, der nach hinten die Schulter und Rücken bedeckte, habe 
jene heidnischen Völker bedeutet, die noch im Schatten des Todes 
sausen; die nplaga" des Ephods aber, die die Brust umgab, war 
das Sinnbild der Bekenner des geoffenbarten, vorchristlichen J e- 
hovadienstes. Andern Auslegern zufolge bedeuteten die beiden, 
Schultern und Brust bedeckenden Theile des Ephods das alte und 
das neue Testament. Gleichwie nun auf den Schultern diese bei- 
den „plagae" gegenseitig zu einem Gewande verbunden waren, 
so bildeten auch, altern Liturgikern gemäss, jene Völker, die im 
alten und neuen Testamente in dem Glauben an den noch kom- 
menden und den erschienenen Erlöser verharreten, eine Kirche 
in Christa.
        

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