Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6075
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im directen Gegensatz mit der Meinung gelehrter jüdischer Tal- 
mudisten und Rabbiner, dass diese beiden "plagulae", die auch 
"succinctoria", als die Brust und den Rücken bedeckende Ge- 
wandtheile, genannt werden, nicht zußammenggnäht gewesen Seien, 
Was  durch dsS GeSetz ausdrücklich verboten war, sondern 
durch die Webekunst so in einander gewebt worden seien, dass 
sich keinerlei Nath dann vorgefunden habe. Um jedoch die durch 
die Wreberei entstandenen Zusammenfügungen oder Verbindungen 
auf den Schulterstücken des Gewandes zu verdeeken und um zu- 
gleich den beiden GeWalldstücken des Ephods einen grössern 
Zusammenhang und Consistenz auf den Schultern zu geben, 
wären auf jeder Schulter zwei Schulterstücke von Gold enge- 
bracht gewesen, die die Form von kleinen Schildern gehabt 
hätten. J osephus nennt diese beiden goldenen Achselstücke 
"äonaöfauai Zgvaai". Rufinus hat irrthümlich diese Bezeichnung 
mit vaSPideS" übersetzt, obschon durch die griechische Benen- 
nung des J osephus kleinere Schilde bezeichnet werden sollen. Ob- 
gleich solche und ähnliche Schulter- und Achselstücke im vor- 
christlichen Alterthum als Ornamente oft die Form von phan- 
tastischen Thicrgestalten hatten, so sind doch einstimmig die 
jüdischen Ausleger des A. T. darin einverstanden, dass an den 
reich gestickten und gewebten hohepriesterlichen Ornaten keine 
Thiergestalten angebracht. gewesen seien, sondern nur Pflanzen-Or- 
namente. 'Es ist also bei diesen goldenen "fibulae, monilia" auf den 
Achseltheilen des Ephods nicht im mindesten an die Gestalt einer 
Schlange und anderer Ungeheuer, wie man dieselben auf römischen 
Panzern und Heimen-des klassischen Zeitalters häufiger erblickt, 
zu denken, sondern diese Schulterstücke hatten, aus Gold ange- 
fertigt, die Form eines Schildes, das so ziemlich die ganze Schul- 
ter bedeckte. DieSe Schulterschilde waren nach der ausdrücklichen 
Vorschrift Moses" ausserdem noch verziert mit zwei gefassten 
Sardonyxsteinen und waren in denselben durch die Kunst des 
Steinschneiders angebracht die Namen der zwölf Stämme Israels. 1) 
Was nun die Seulptur dieser zwei Gedenksteine betrifft, so geben 
jüdische Schriftkundige und unter diesen Abarbaiiel an, dass diese 
Namen nicht als "Intaglio" vertieft eingegraben, sondern dass sie 
erhaben vorspringend mehr in der Art von Cameen kunstreich 
geschnitten gewesen seien. Obgleich J osephus 2) andeutet, dass 
7 
i) Vgl. hierzu die nähern in's Detail gehenden 
XXVIII, 9-19. 
9) Joseph. Antiq. lib. III, cap. VIII. 
Liturgische Gewänder. 4' 
Vorschriften 
des 
25 
Exodus
        

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