Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6055
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dürfte. Wenn auch der erste Tempel des Salomon in phönizisch- 
syrischen Formen gehalten war, so kann man aus den aus- 
führlichen Angaben des Flavius Josephus entnehmen, dass in 
dem zweiten Herodianischen Tempel die Gefasse und Geräthe in 
dem damals auch in Judaea eingeführten griechisch-römischen For- 
mentypus gehalten waren, und dass mithin auch die in dem 
Ephod eingewirkten vielfarbigen Ornamente sich den herrschen- 
den Formen des Tages gefügt haben. Da wir uns in der Lage 
befanden, auf der beifolgenden Taf. III in farbiger Zeichnung die 
muthmaasslichen Dessins andeuten zu können, wie sie an dem 
hohepriesterlichen Ephod cingewirkt gewesen sein mögen, so 
haben wir es uns gestattet, jene Muster in diesem Ornatstücke 
zur Darstellung kommen zu lassen, die wir auf einer römischen 
Toga als ein „0pus phrygicum" vorfanden. Diese „toga pieta et 
palmata" mit ihren reichen imitirten Stickereien befindet sich in 
Basrelief auf einem merkwürdigen Consular-Diptychon heute auf- 
bewahrt im Schatze zu Halberstadt. Dieses, auf Taf. I, zweiter 
Lieferung des vorliegenden Werkes veranschaulichte Relief in 
Elfenbein dürfte nicht der klassisch-heidnischen Zeit, sondern viel- 
mehr der christlich-römischen Kunstepoche angehören, und einen 
römischen Feldherrn, bekleidet mit der „toga triumphalis" vor- 
stellen, der unter der Regierung der beiden Kaiser Honorius und 
Arcadius als Sieger über überwundene Völkerschaften zurück- 
kehrte, Schriftlichen Privatmittheilungen des Baron von Kühne, 
beigeordneten Direetors der kaiserlich russischen Museen der Her- 
mitage zu St. Petersburg verdanken wir diese eben angeführte sehr 
wahrscheinliche Conjectur. Dieser zufolge trüge dann der trium- 
phirende Feldherr in der einen Hand das "Volumen" und in der 
andern das Scepter, auf welchen die Büsten der beiden regieren- 
den Kaiser Honorius und Arcadius angebracht sind. Auf dem 
obern Relief wären, dieser freundlichen Angabe zufolge, sitzend 
dargestellt die beiden Kaiser Honorius und Arcadius, umgeben 
auf der einen Seite von den allegorischen Figuren "Roma" und 
„Constantinopolis". 
Wenn auch hinsichtlich des Stoffes und der kostbaren Ma- 
terie, aus welcher das Schultergewand angefertigt werden musste, 
durch die oben citirten Stellen des Exodus das Nähere angedeutet 
wird, so herrscht doch rücksichtlich der Form und des Schnittes 
dieses reichen Qbergewandes bei den competenten Erklärern der 
jüdischen Alterthümer vielfach Unklarheit und Unbestimmtheit. 
So sagt Flavius JosephllS, dass es mit Aermeln versehen gewe- 
sen und nach Art und Weise der Tuniken angefertigt werden
        

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