Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1726
kleinere und grössere Kreuze, in der Form des jetzigen Malthe- 
serkreuzes, von kleinern Ringen (orbiculis) umgeben. Daher denn 
auch bei Anastasius das öftere Vorkommen von „vela serica rotata 
cum cruce". Diese Kreuze haben sich bis auf den heutigen Tag 
fast als alleiniges Ornament in den liturgischen Gewändern der 
schismatischen Griechen erhalten. l) Uebrigens waren Kreuz und 
Stern schon bei den civilisirten Völkern des heidnischen Alterthums 
gebräuchliche Ornamente, und soll daher in dem zuletzt Gesagten 
nicht die Ansicht ausgesprochen werden, dass alle Stoffe, worin sich 
diese Kreuzverzierung befindet, immer griechischen Ursprungs seien. 
Die in Byzanz und Griechenland mit Rücksicht auf liturgische Zwecke 
angefertigten kostbaren Seidenstoffe verschmähen es nicht, dem 
Geschmacke und der Richtung der Zeit folgend, ebenfalls Thierbil- 
dungen von symbolischer Bedeutung zu decorativischen Zwecken in 
Anwendung bringen zu lassen. So besass die Kirche ad St. 
Stephanum zu Autun einen kostbaren Behang mit eingewirkten 
Löwen, zwischen welchen sich die Inschrift in griechischen Buch- 
staben befand: "XPIZTOE JEEHOTHE". 2) Diese Inschrift: 
„Christus der Herr", galt zweifelsohne als Umschrift und Deutung 
zu den symbolischen Bildern des Löwen, indem der königliche 
Löwe sehr oft in der kirchlichen Bildersprache den Heiland 
repräsentirt als Herrscher und Regierer. Die beifolgende Zeich- 
nung (Taf. IV) ist einem sehr interessanten Gewebe entnom- 
men, das in Bezug auf seine Löwenornamente in grossartiger Auffas- 
sung und Stylisirung mit den eben beschriebenen alten Vorhän- 
gen der St. Stephanskirche zu Autun Aehnlichkeit haben mochte. 
Der Fond dieses Gewebes besteht aus rother Seide; sämmtliche Des- 
sins sind durch Goldfäden als Einschlag hervorgebracht. Diese 
Dessins in dem auf Tafel IV in Abbildung mitgetheilten Gewebe unter- 
scheiden sich merklich von den Darstellungen in ägyptischen, per- 
sischen und arabischen Stoffen dieser Zeit, und da dasselbe aller 
Wahrscheinlichkeit nach unter den reichen Stoffen 3) sich befand, 
die Bischof Conrad von Halberstadt im Jahre 1208 nach der Ein- 
nahme von Byzanz aus Griechenland mitbrachte, so möchte wohl 
 
So sah ich in den griechischen Gcsandtschaftscapellen zu Berlin und Wien 
prachtvolle, in Lyon gewebte ScidenstoHe, Festtagsornate des Archimandri- 
wn, die mit kleinen griechischen Kreuzchen, in Gold brochirt, durchwirkt waren. 
Quoniam autcm in eadem aula Dei (Antissiodorensi ecclesia St. Stephani) 
crat pretiosissimum pallium cum leonum imaginihus, in quo erat scripmm 
im" 1601188 graecis litteris XPIZTOZ AEZHOTHZ non dcstitit prius quam 
aljud eiusclem similitudinis pallium invenit etc. Histor. episc, Antiss. cap. 411 
de Gualdrico A. C. 918-933. 
Im Folgenden werden dieselben ausführlicher beschrieben werden.
        

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