Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6035
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dürfte man vermuthen, dass diese dünnen Goldlamen als runde 
Iilärlen mit unterlegter Vvolle verarbeitet worden seien. -Andere 
nehmen an, dass diese riemenförmigen platten Goldfäden ohne 
Beimischung von  Wolle als Einschlag zur Anwendung gekom- 
men seien, um die Dessins in dem Ephod zu erzielen. Als 
zweite Farbe, die in dem Schulterkleide nach dem Aussprache 
des Exodus als Einschlag (trama) angewandt wurden, ist die 
Hyazinthfarloe zu nennen; verschiedene Farben werden als Ilya- 
zinth bezeichnet. Einige Schriftsteller halten dafür, dass die 
Hyazinthfarbe in der vorchristlichen Zeit bräunlich-gelb, der 
Goldfarbe ähnlich gewesen sei,  wie auch heute noch die Pflanze 
in Farbe beschaffen ist, die den Namen Hyazinth führt. An- 
dere wollen dagegen, dass diese goldgelbe Farbe eher dem 
Chrysolith als dem Hyazinth zukomme; die grössere Mehrzahl 
jedoch der altern Autoren und unter diesen auch Pliniusß) Epi- 
phanius, Isidorus 3) und Ambrosius legen dem I-Iyazinth eine 
hellblauliche Farbe bei, die in's Violetroth hinüberspieltß) es 
dürfte das eine Farbe sein ähnlich dem Cyanenblau, wie diese 
Farbe an der „centaurea cyanus" ersichtlich ist. Ambrosius 
nennt die Hyazinthfarbe eine hellblauliehe Farbe, die dem Him- 
melblau ähnlich sei, wie auch der Saphir eine ähnliche Farbe 
zeigt. 5)  
Als dritte Farbe kommt in der Musterung des Ephods auch 
die Purpurfarbe vor?) dieser Purpur, namentlich der tyrisehe 
Purpur, war der kostbarste, indem er aus dem Safte der „murex" 
angefertigt wurde, wie das früher schon an anderer Stelle bemerkt 
worden ist. Obschon der vielen Surrogate wegen, die den echten 
theuem Purpur schon in der vorchristliehen Zeit ersetzten, die 
Fgrbnüanßirungen des Purpurs verchieden waren und vom dun- 
kelsten Violet bis in's Hochrothe spielten, so nehmen ältere Aus- 
leger an, dass die Purpurfäden in feiner Wolle, die zu dem 
 
 Luther nennt sie deswegen immer "gehle Seide", welche Bezeichnung sowohl 
hinsichtlich der Farbe als auch des StoiTes unrichtig ist.  
2) Piinius, lib. XXXVIL 9- 
3) Isidorus, lib. XVI, 9. Origin- 
 Die Talmudisten nennen die Schnecke, aus welcher diese unvergleichlich 
schöne Hyacinthfarbe im Alterthum bereitet worden ist, nchilzon". Vgl, 
hierzu Bochart. hieroz. part. 2, lib. 5, c. g. p. 720 seq. 
5) Ambros. ad Apocal. XXT, 20-1 "byacinthum coeli sereni colorcm haben; 
qualem et saphirus habet."  
6) Plinius, lib. IX, eap. 3G gibt an, dass die Purpursehnecke lebendig musste 
eingefangen werden, indem sie mitten im Rachen den herrlichen Farbestoß" 
bewahrt habe, den sie von sich gegeben hätte, sobald sie getödtet wurde.
        

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