Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6025
366 
S0 war auch jener Vorhang im Tempel, der bei dem Tode des 
Heilandes bekanntlich entzweit-iss, 1) ein "opus artiiiciosissimum". 
Obgleich im Exodus das Ephod oder "superhumerale" als eines 
der vorzügliehsten goldenen Gewänder des Hohenpriesters aus- 
führlicher als „opus polymitum" beschrieben wird, so haben doch 
Mehrere dieses "vielfadige Werk", fussend auf diesen Ausdruck 
der Vulgata, als gestickte Kunstarbeit zu bezeichnen keinen An- 
stand genommen. Jedoch gewichtige Ausleger der heiligen 
Schriften, unter diesen Maimonides und andere Gelehrte sind 
der Ansieht, der auch wir beipflichten möchten, dass das Schul- 
tergewand in seinen vielfarbigen Ornamenten nicht als „opus 
rokem", sondern als „opus ehoscheb" gleichbedeutend mit "opus 
textoris" zu betrachten sein dürfte. Als Kette wurde dazu, 
wie an den meisten übrigen Gewändern der Priester, ein fei- 
ner Byssusfaden genommen, der aus 6 feinern Fäden zu einem 
einzigen gedreht war. Diese Faden aus (idrähtigem Byssus 
dienten als "stamen", worin als Einschlag (subtemen) jene viel- 
farbige Purpurwolle geschlagen und verwebt wurde, wie es die 
h. Schrift in den einzelnen Farbtönen näher angibt. Nach der 
oben angezogenen Stelle wurden auch zu den Einsehlagsfäden 
abwechselnd Goldfäden genommen und fragt es sich, 0b dieses 
Gold, als runder Faden, nach der heutigen Präparation verarbeitet 
wurde, oder 0b das Gold, nach älterer Art, als platter Faden in 
Weise eines dünnen Goldlamen zum Einschlag verwebt wurde. 
lrVir antworten darauf, dass in der h. Schrift sieben verschiedene 
Arten von Gold, wie es zum Tempeldienste angewandt wurde, 
die Rede ist." Die verschiedenen Arten von Gold führen ent- 
weder einen entsprechenden Namen nach ihrer Güte, Beschaffen- 
heit oder nach ihrem Fundorte. Das Gold, das zur Webe- 
rei in Form von platt geschnittenen Faden verwandt wurde, 
benannte man aschaehut". Dasselbe wurde in äusserst dünnen 
Flächen als Goldlamen ausgedehnt und alsdann in feine Riemehen 
zerschnitten, um in dieser Weise gleichsam als Faden verweht 
zu werden. 2) Nach dem folgenden Spruehe des Exodus; "Und 
er dehnte sie aus zu Faden, damit sie konnten übersponnen 
werden auf einer Unterlage von den oben genannten Farben", 
weben, nicht nur in verschiedenen Farben auf jeder Seite, sondern auch 
sogar in verschiedenen Zeichnungen.  
Wir werden die Beschaffenheit desselben in exner spätem Lieferung näher 
besprechen, wo wir von den Vorhängen des Altars ausführlicher handeln 
werden.  
Vgl. das Nähere über die Präparation dieser Goldfäden Exod. XXXIX, 3.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.