Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-6014
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nämlich aus gemischten Stoffen, zum Theil aus dem feinsten ägypti- 
schen Byssusleinen als Kette und aus einem ltlinschlag von verschie- 
denfarbiger Purpurwolle mit Goldfäden verarbeitet. im Gegensatz 
zu den vielfarbigen (lrnamenten des priesterlichen Gürtels, die, wie 
wir oben gesehen haben, nicht aus einem "opus rokem", d. h. einer 
gestickten Arbeit  bestanden, waren die vielfarbigen blumenreiehen 
Dessins in dem Ephod nicht erzielt durch das "opus phrygioni- 
cumäß) Ständern dllfßll das „0pus choscheb". Dasselbe war aber 
ausschliesslich im Alterthume das Werk eines Kunstwebers im höhern 
Sinne des Wvortes und eine viel kunstrcichere Arbeit, als die Orna- 
ment-Stickerei; deswegen führt es auch bei den jüdischen Ausle- 
gern der h. Schriften des Alterthums den auszeiehnenden Namen 
„0pus nllifißißßisßimllnl" Oder aingeniosissimum". Dass sogar in 
der verchristlichen Zeit die lrVebspule, die damals schon Aehn- 
liches hervorbrachte, was wir heute mit dem Ausdrucke "Haute- 
lisse-Wclvereien" bezeichnen, die gesticktem Leistungen der phrygi- 
sehen Nadel zuweilen übertraf, ersieht man schon aus einem Epi- 
grainm bei Martial, wo er sagt: 
„Haec tibi Memphitis tellus dat munera; victa (ist 
Pcctine Niliaeo jam Babylonis acus." 
Als Grund, weswegen das vorchristliche Alterthum das „0pus 
cliriselieb" als Weberei, was Kunst betraf, höher erachtete, als 
das "opus rokeln", Stickerei, ist darin zu finden, dass bei dem 
erstgenannten "opus artificiosissirnum" der Kunstweber es in der 
Hand hatte, auf jeder Seite eine andere bildliche Darstellung zu 
erzielen, so zwar, dass während er auf der einen Seite durch die 
Kunst der Wehspule einen Löwen im Bilde darstellte, er durch 
denselben Einschlag auf der Rückseite als gelungenes Dessin einen 
Adler oder eine andere bildliche Darstellung erzielen konnte. 3) 
1) Exod. eap. XXVIII, 39 G. und XXXVIII, 18. 
2) Glßiüillilütend mit diesem hebräischen Terminus nennen die Italiener Ge- 
sticktes: hrecaniataa, Sticken: nreeamare", und in Spanien ist der Aus- 
druck "recamodurn" identisch mit der Bezeichnung „opus phrygiouicum'. 
3) Wir erinnern uns, im vorigen Jahre in Wien ein ähnliches nupus ingenio- 
Sissimun)" bewundert zu haben, das in der Weberei auf beiden Seiten eine 
durchaus verschiedene bildliche Darstellung zu erkennen gab. Ein genialer 
Fabrikant in Wien hatte nämlich bei Anfertigung der Banner und Standar- 
ten für das kaiserlieh österreichische Heer, deren Ausführung ihm über. 
tragen worden wer, auf der einen Seite in vielen Farben und Gold das 
Bild der „immaculeta couceptio" gewebt und zugleich auf der andern Seite 
dm österreichischen Doppeladler mit seinen vielen Insignien und Wappen 
Der Besitze,- dieser merkwürdigen Kunszwehereien, dessen Name uns leider 
entfallen ist, beabsichtigt auch Stolen und andere liturgische Gewänder zu
        

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