Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5990
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menten nachzuweisen. Aelterc Liturgiker und unter diesen der 
treffliche Durandus  haben in Betracht, dass im A.T. der Hohe- 
priester zwei Tuniken anzulegen gehalten war, nämlich eine „tu- 
nica byssina" 2) und darüber die „tuniea hyacinthina" (die auch 
den Namen "palliuln", wie wir oben gesehen haben, führt), die 
Parallele gezogen, dass auch der Pontifex der Kirche mit zwei 
gleichartigen, diesen nachgebildeten Tuniken heute bekleidet sei. 
Die „tunica byssina" ist denn, diesem zufolge, identisch mit der 
heutigen bischöflichen Albe und die „tunica hyacinthina", die 
eben näher beschrieben wurde, würde dann mit jener bischöf- 
lichen Tunicelle gleichbedeutend zu erachten sein, die heute noch 
bei Pontificalämtern der Bischof in leichten Seidenstoffen unter 
dem Messgewande in Form einer Dalmatik nach liturgischer Vor- 
schrift anzulegen gehalten ist. Auch dieser Vergleich kann als 
zureichend zugegeben werden, indem auf diese Weise auch die 
"tunicella" oder nßübllßllla", die bei feierlichen Hochämtern der Sub- 
diakon zu tragen das Recht hat und die heute unter der Bezeich- 
nung „vestes leviticae" bekannter sind, 3) in den Mosaischen liturgi- 
schen Gewändern schon vorgebildet gewesen wären. Was nun die 
Form dieser Tunicelle, die heute sowohl der Subdiakon, als auch 
bei Pontificalämtern als Untergewand der Bischof anlegt, betrifft, so 
muss gesagt werden, dass das alt-testamentarische Pallium in seiner 
FQrm und Gestaltung, wie wir oben nachgewiesen haben, der heu- 
tigen "subucula" allerdings sehr nahe kommt. Denkt man sich 
nämlich die ehemals geschlossenen Aermel der bischöflichen und 
der Subdiakonats-Tunicelle entfernt und statt der Hmanicae" einen 
oflenen Durchlass für die Arme an jeder Seite der Dalmatik, so 
hat man auch in Beziehung auf Schnitt und Form ein V01]- 
ständiges Bild, wie im Mosaismus das Pallium, die „tunica hya- 
1) DuranduS, De rißibüS eßßlesine eatholicae, lib.1I. pag. 329. Coloniae 1592. 
2) Jenes leinene eng nuschliessende Untergewand mit Aermeln, das auch der 
gewöhnliche Opferpriester anzulegen das Recht hatte. Vgl. unsere genaue 
Beschreibung desselben von Seite 331 bis 338. 
3) Diese nvestes diacouatus" werden gewiss nicht ohne Beziehungen heute 
noch in verschiedenen Diöccsen „Leviten, Levitenröcke" genannt. Ob 
die in Rede stehende Dalmatik für den Diakon und die fast gleichgestel- 
tete Tunicelle für den Subdiakon hinsichtlich ihrer Form mit den ehema. 
ligen Tempelgewändern der den Priestern Jehovefs untergeordneten Levi. 
gen vgnvandßschaftllclle Analogieen nachzuweisen habe, dürfte heute schwer- 
lieh mehr nachZuWeiSCn sein, indem weder in den h. Schriften des alten 
Testamentes etwas über die Gewänder des Levitenthums verlautet, noch 
auch die spätem Talmudisten und jüdischen Rabbiner ein Näheres darüber 
angeben.
        

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