Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5988
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das vorchristliche Pallium, das aus zwei "plagae", wie das Einige 
wollen, bestand, die auf der Schulter in Verbindung gesetzt 
waren und wovon der eine Thcil geradlinig die Brust und der 
andere, als quadratisch länglieher Streifen den Rilcken bedeckte 
und bis zu dem untern Schienbein reichte. Gleichwie nun die 
Stola aus einem faltenreichen Obergewanrle schon in der Früh- 
zeitdes Mittelalters bedeutend verkürzt wurde und man nur die 
beiden äussern Randverzierungen dieses "orarium" als Reminis- 
cenz an das ehemalige stoffreiehe Gewand beibehielt, so scheint 
man auch in der lateinischen Kirche vor der karolingischen Zeit 
den Brust und Rücken bedeckenden breitern Stoflstreifen des 
christlichen Palliums bedeutend verengt zu haben, so dass er nur 
als ornamentaler Bandstreifen in Breite einer Hand der Länge 
nach über Schulter und Brust herunterstieg und sich dann später 
in Form eines Y in zwei gleich schmale Streifen über die Schul- 
tern verästelte, worin noch eine Hinweisung gefunden werden 
(lürfte auf den transversalen Einschnitt (voramen, eaputium), den 
(las hebräische Pallium zum Durehlassen des Kopfes ehemals 
hatte. 
Wir werden in der IV. Lieferung dieses Werkes die heutige 
formelle Beschaffenheit des erzbischöllichen Palliums und seine 
allmalige genetische Entwickelung im Laufe der Jahrhunderte nach- 
weisen und in Abbildungen näher veranschaulichen. ES genüge 
hier nur noch die allgemeine Bemerkung, dass das erzbischöfliche 
Pallium, wie es heute in der Kirche als auszeichnendes Ehren- 
gewand für die Erzbischöfe und Metropoliten besteht, schon des- 
wegen der "malogranata" und der wtintinnabula" entbehrt, weil 
an demselben der untere breite Rand fortfiel und nur ein schma- 
ler Brust- und Schulterstreifen blieb. Wir erinnern uns jedoch, 
an altern Malereien Erzbischöfe mit Pallien bekleidet gesehen zu 
haben, deren unterer breiterer Fusstheil mit einzelnen Schellchen 
statt der Fransen verziert war. Dass die Stolen ehemals an 
den beiden untern Ausmündungen statt der Fransen mit silber- 
nen, zuweilen goldenen Glöckchen besetzt waren, werden wir in 
einer spätem Lieferung dieses Werkes ausführlicher naohweisenä) 
In dem zuletzt Gesagten ist der Versuch gemacht worden, 
unter Beachtung der gleichen Benennung die Verwandtschaft der 
Pallien als hohepricsterliehes "Pontifiealgewand in beiden Testa- 
1) So schenkte der sel. Meinwerk, Bischof von Paderborn, seiner Stiftung 
Abdinghoß" unter andern reichen Gaben zwei goldgestickte Stolen, die unten 
statt der Fransen mit goldenen Schellchen besetzt waren.
        

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