Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5921
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deren sich die Hebräer als Profangewänder bedienten, wurden 
nicht nach Weise der Römer über die Schultern angelegt und 
durch eine „fibula" auf der rechten Schulter befestigt, sondern sie 
waren ebenfalls viereckig-längliche Stoffe, die an den vier Enden 
mit kleinern Quasten nach der Vorschrift des Deuteronomiums 
verziert waren. 1) Wie war aber seiner Form und Gestalt nach 
das Pallium beschaffen, das der Hohepriester als auszeichnendes 
Ehrengewand vor den übrigen Priestern zu tragen das Recht 
hatte? Bei Beantwortung dieser Frage sind die Rabbiner und 
jüdischen Alterthumskundigen in ihren Ansichten getheilt, indem die 
Einen angeben, dass die Pallien unter den Armen geschlossen gewe- 
sen und die Andern dafür halten, dass der vordere nicht mit dem 
hintern Streifen (plaga) des Palliums verbunden, sondern offen ge- 
wesen sei; eine Verbindung dieser beiden rechteckigen Ge- 
wandstücke sei bloss auf der Schulter bewerkstelligt worden, wo 
auch der Einschnitt sich befunden habe zum Durchlassen für den 
Kopf. Maimonides 1) äussert sich in Betreff der Gestalt des Pal- 
liums dahin: dasselbe sei von der Farbe des Hyazinth gewesen 
und die Faden, aus denen es gewebt worden, seien zwülffach 
gedreht gewesen. Es habe ferner keine Aermel (manica) gehabt, 
sondern über Brust und Rücken seien zwei breite Stofftheile ge- 
radlinig heruntergefallen, die unter den Armen nicht befestigt und 
geschlossen gewesen seien. Hieronymus in dem oft gedachten 
Briefe an die Fabiola gibt hingegen an: das Pallium, das er als 
„tunica talaris" bezeichnet, habe eine Hyazinthfarbe gehabt mit 
angenäheten Aermeln zu beiden Seiten, von derselben Farbe. Ist 
dieser Aussage des h. Hieronymus Gewicht beizulegen, so hätte 
das Pallium des Hohenpriesters im Mosaismus fast (ließt-Elbe Form 
gehabt, wie die Dalrnatik im Mittelalter. Es würde dann auch 
das heutige Diakonal-Gewand, dem h. Hieronymus zufolge, mit 
dem Pallium des Hohenpriesters ziemlich übereinstimmend be- 
funden werden, wenn man die beiden Stoffreste, die an der heu- 
tigen Dalmatik an den Armen herunterhangen, sich als "manica" 
geschlossen denkt. Flavius Josephus 3) betrachtet ebenfalls das 
Pallium als bestehend aus einem Stück (unica tela in longum 
III und cap. IV, und bei A. Lens, Essai sur les habillements des peuplea 
de Pantiquitä, page 33-61. 
1) Lib. Deuteron. cap. XXII, 12 liest man nämlich: funiculos in fimbriis fa- 
cies per quatuor angelus pallii tui, quo opcricris. Vgl. Num. XV, 38. und 
Manh. XXIII, 5. 
2) Maimouides, Hilch, Kele Ilammikdasch, cap. IX, secc. 3. 
3) Flav. Joseph. antiq. lib. III. cap. VIII.
        

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