Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5914
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gefertigt zu werden.  So trugen einzelne römische Kaiser Pallien aus 
kostbaren Purpurstoffcn; Lampridius spricht in der Lebensbeschrei- 
bung des Alexander Severus von solchen Gewändern, die mit Gold 
durchwirkt waren. Ein solches "pallium" aus Byssusstoff trug, dem I. 
Buch der Könige zufolge, David. Aus welchem Material das Pallium 
des Hohenpriesters im alten Bunde angefertigt werden ist, (larüber 
geben die Schriften des A. T. nicht das Nähere an; sie bezeichnen 
nur dasselbe als ein durchaus hyazinthfarbigcs. Johann Lundius, 
ein nicht sehr kritischer und zuverlässiger Beschreiber der- jü- 
dischen Heiligthümer, i) nimmt an, dass dieses Obcrgeivanrl 
von feinstem Byssuslcinen gewesen sei. Braunius jedoch wciset 
ausführlicher nach, dass man sowohl Purpur- als auch Hyazinth- 
farbe meistens für die Färbung von sehr feinen Wollenstoffcn an- 
gewandt habe. 2) Derselbe nimmt an, dass das Pallium aus hya- 
zinthfarbiger Wolle gewebt gewesen sei, ohne alle Anwendung 
von Gold- oder farbigen Stickereien an den untern Sänmen, wie 
das unrichtig von Vilalpandus und Andern angegeben werden 
ist, die im XVII. Jahrhundert die jüdischen hohenpriesterlichen 
Gewänder bildlich dargestellt haben. 
Was nun die Form und den Schnitt des Palliums betrifft, 
so dürfte es als eines der einfachsten und natürlichsten Gewänder 
bezeichnet werden, die bereits im hohen Alterthum in Gebrauch 
waren. Die einfachsten Pallien bildeten sich nämlich aus zwei 
quadratisch länglichen, ziemlich breiten Streifen von Wolle oder 
Leinen, die in der Mitte einen Durchlass für den Kopf frei liessen 
und wovon der eine Streifen nach hinten in gerader Linie her- 
unterfloss, der andere die Brustibedeckte und bis über die Kniee 
herunter reichte. Solche Gewänder sind heute noch bei orienta- 
lischen Völkern in Gebrauch und kommen dieselben bei Hirten- 
völkern auch jetzt noch in Europa vor. Die Senatoren und Ma- 
gistratspersonen in der römischen Kaiserzeit, desgleichen auch die 
Philosophen pflegten ein ähnliches Pallium als Obergewand jedoch 
in anderer Form und Anlegungsweise zu tragen. 3) Die Pallien 
 
1) Vgl. "Die alten jüdischen Heiligthümer, Gottesdienste und Gewohnheiten für 
Augen gestellt in einer ausführlichen Beschreibung durch Johannem Lun- 
tiium." Hamburg 1722. Seite 418-428- 
2)1)ie Anwgndung dieses änsserst feinen WollenstoHes zur Anfertigung des 
hohenpyiesterljchen npallium" dürfce auch deswegen schon begründet m- 
scheinen, da bekanntlich Leinenstoffe eine dauerhafte Färbung nichc leicht 
zulassen. 
3) Vgl. über die Form und Gestalt der römischen Pallien die ausführlichen 
Bechreibungen bei Tertullian, Salmasius und Ferrarius „de re vest." cap. 
Liturgische Gewänder. 24
        

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