Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5887
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Priesters der Kirche dem "migbaoth" des mosaischen J ehovadienstes 
im Aeussern sehr nahe kam, jedoch mit dem Unterschiede, dass der 
mittelalterliche "pileus" nicht immer nach der Höhe hin dieselbe 
Ausdehnung hatte und nicht jene abgestumpfte Spitze zeigte, wie 
das bei der Kopfbedeckung der mosaischen Priester der Fall war. 
Auch bestand die Kopfbedeckung des Mittelalters meistens aus Tuch 
oder Seide und war als solche genäht und mit einer „snbductura" 
im Innern belegt, wogegen die alt-testamentarische Kopfbedeckung 
turbanartig aus einem langen Byssusstreifen als Helm gGfOPITIt 
und um den Kopf gewunden wurde. Um die aussere Verwandt- 
schaft der Kopfbedeckung der Diener der "synagoga" und der 
Priester im Mittelalter dem Auge kenntlicher zu machen, haben 
wir auf Tafel VIII vergleichsweise im Bilde wiedergegeben den 
"pileus", wie derselbe im XIV. und XV. Jahrhundert in dem 
alten Köln als kirchliche Kopfbedeckung bei dem Klerus im Ge- 
brauch war. Wir werden in einer spätern Lieferung dieses 
Werkes ausführlicher den Entwickelungsgang näher kennzeich- 
nen, den die Kopfbedeckung des Priesters in der Kirche Sei? der 
Frühzeit des Mittelalters durchgemacht hat, und werden dann 
auch den Nachweis zu geben versuchen, wie die heutige steife 
und unglückliche Form des Birrets sich erst seit der Spätzeit der 
Renaissance gestaltet hat. Dieser auf Tafel VIII veranschaulichte 
"pileus", der auch als Kopfbedeckung der ..,doctores", Wie Wir 
das später zeigen werden, diente, ist getreu entlehnt einem 
merkwürdigen Sepulturalstein, der ehemals das Grab eines 
Dignitarius des alten Canonikerstiftes von St. Gereon in Köln 
deckte, und der, der Inschrift zufolge, dem XV. Jahrhun- 
dert angehört. Wir werden später auf die Form und aus- 
führliche Beschreibung dieses hier veranschaulichten Birrets zu- 
rückkommen, und machen wir im Allgemeinen auf die grosse 
formelle Verwandtschaft aufmerksam, die in Bezug auf Höhe und 
Ausdehnung zwischen dem "migbaoth" des Mosaismus und dem 
entsprechenden "pileus" der Priester des Mittelalters bestand. 
Abstrahirt man von dem heutigen Birret, wie es jetzt in der 
Kirche im Gebrauch ist, die vier vorspringenden Ecken oder 
Klappen, die die letzten zwei Jahrhunderte in der heutigen Form 
entwickelt und über Gebühr, behufs des leichtern Anfassens, ver- 
grössert haben, so dürfte auch die heutige kirchliche Kopfbe- 
deckung mit dem oben beschriebenen mosaischen „pileus" im 
Entferntern eine verwandte Gestaltung aufzuweisen haben.
        

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