Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5846
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Welche äussere Gestalt hatte die Kopfbedeckung des Opfer- 
priesters, die uns zur Besprechung vorliegt? Da die Byssusbinde 
der „turba sacerdotum" nach Belieben hoch und niedrig in Weise 
eines Turbans von dem Träger um den Kopf gewunden zu werden 
pflegte, so leuchtet es ein, dass die äussere Gestalt dieser Kopfbe- 
deckung höher und niedriger formirt werden konnte. In der Art 
und Weise der Anlegung und der aussern Form, wie beim J ehova- 
dienste dieser Kopfbund angelegt wurde, unterschied sich die Kopf- 
binde des Hohenpriesters im Aeussern wesentlich von der des 
Opferpriesters. Die anders geformte und niedriger gestaltete ge- 
wundene Kopfbedeckung des Hohenpriesters nennen jüdische Ge- 
lehrte "mitznephet", zum Unterschiede von der höher, mehr ke- 
gelförmig gewundenen Kopfbekleidung, wie sie die untergeordnete 
Priesterschaar zu tragen gehalten war, die man "migbaoth" nannte. 
Bei den Persern war umgekehrt die auszeichnende Tiara, die der 
König nur allein in dieser Form zu tragen das Recht hatte, 
ziemlich hoch geschlungen, so dass dieses königliche Diadem 
nach oben fast zu einer abgerundeten Spitze, ähnlich der eines 
Zuckerhutes sich verlängerte , wohingegen die übrigen Perser 
und auch das Militär niedrig und rund geschlungene „pilei" zu 
tragen gehalten waren. J osephus 1) inennt die priesterliche Kopf- 
binde hinsichtlich ihrer Form und Anlage "dxawog" wodurch 
er offenbar eine höher gewundene "tiara" andeuten wollte, 
als die war, deren sich der Pontifex Maximus bediente. Die 
priesterliche Miter war also, erhöht ansteigend, ähnlich einem 
abgerundeten Hügel, was auch durch den ebengedaehten hebräi- 
schen Terminus angedeutet wird. Vergleicht man hinsichtlich der 
Form und Beschaffenheit der priesterlichen Kopfbinde die be- 
treffende Schilderung in dem Briefe des h. Hieronymus an die 
F abiola, so erkennt man, "dass das vierte und letzte priesterliche 
Gewandstück bestanden habe aus einer runden Kopfbedeckung, 
ähnlich wie mansie gemalt ersieht auf dem Bilde des Ulisses; 
sie bildet gleichsam eine Halbkugel, deren eine Hälfte auf das 
Haupt gesetzt wird. Diese Kopfbedeckung nennen die Griechen 
und auch wir "tiara", Andere nennen sie "galerus", die Hebräer 
"mitznephet". Dieselbe hat weder oben eine Spitze, noch be- 
deckt sie das ganze Haupt über die Haare hin, sondern sie lässt 
den dritten Theil des Hauptes, von der Stirne ab, unbedeckt. 
Deswegen ist diese Kopfbinde auch an den Schläfen durch ein 
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VIII.
        

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