Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1708
14 
Auch das Einhorn 1) und der Pfau 2) kommen um diese Zeit 
als beliebte Darstellungen in kostbaren Geweben vor. Die grös- 
sern Vierfüssler in diesen Zeichnungen sind Weniger naturalistisch 
als vielmehr ideell gehalten, so dass sehr oft die Extremitäten 
derselben als freieres Ornament behandelt erscheinen; auch sind 
dieselben meistens gedoppelt, seltener einzeln dargestellt. Sie schei- 
nen gleichsam, wie im Kampfe begriffen, gegen einander los zu 
rennen. Mehrere dieser grössern Thierfiguren, insbesondere Tiger, 
Leoparden etc. sind gewöhnlich an einer Kette befestigt und von 
kleinern Waldthieren, die ihnen entfliehen oder als Beute zulau- 
fen, umgeben. 
Das kleinere Federwild, das in bunter Abwechselung in die- 
sen Zeugen eine so grosse Rolle spielt, erscheint niemals ein- 
zeln, sondern immer paarweise, mit gegeneinander gewandtem 
Schnabel, oder auch zuweilen, nach alter classischer Darstellungs- 
weise, mit einer dazwischen befindlichen Amphora abgebildet. 
So sieht man in diesen Stoffen dargestellt: Fasanen, Entenß) 
Schwäne, Schwalben 5) und eine Menge von wilden und zah- 
men Vögeln, die weder in der Luft noch auf dem Lande, 
sondern nur in der Phantasie eines orientalischen Componisten 
ihre Existenz haben. 
Bei der Menge von Angaben alter Autoren würde es nicht 
schwer halten, die Aufzählung und Beschreibung dieser Thier- 
gebilde bis in's Hundertfache zu vervollständigen. Statt dessen 
mag es von grösserm Interesse sein, hier näher darauf hin- 
zuweisen, welchen grossen Einfluss diese scenerirten und figu- 
rirten Gewebe auf die Kleinkunst des Abendlandes geübt haben. 
Jahrhunderte hindurch lieferte der Orient seine künstlichen 
Seide- und Goldwebereien, voll der seltsamsten Bildungen, massen- 
weise dem Abendlande in einer Zeit, wo dessen Völker, in romanti- 
schem, jugendlich frischem Aufschwung begriffen, mit Vorliebe nach 
Allem haschten, was als phantastisch seltsam weit über Meer ihnen 
zugeführt worden war; die Schaaren der Kreuzritter kehrten als 
n 
12 
I) 
VergL: Sur 1a. licorne et son histoire, les traditions täratologiques etc., par 
Mr. Berger de Xivrey, p. 559-568; und: Monographie de 1a cathödrale 
de Bourges, par les PP. Arthur Martin et Charles Cahier, N0. 72, pages 
130  132. 
Anast. Bibl. No. 100. Paschalis A. C. S17. 
Id. N0. 103. Gregorius IV. A. C. 827. 
Id. N0. 103. Greg. IV. A. C. 827. 
Hist. Episc. Antissiod. cap. 44, de Gualdrico A. C. 918  933.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.