Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5834
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der Weise, wie noch im XIII. und XIV. Jahrhundert der Car- 
dinalshut beschaffen War. Aber nicht alle „pilei" in der vorchrist- 
lichen Zeit bestanden aus zusammengearbeiteter Wolle, sondern 
man nahm dazu auch andere Stoffe, entweder Leinen und Byssus, 
oder auch sogar kostbare, zuweilen in Purpur gefärbte Seiden- 
stoffe. Von solchen Purpurstoffen, die als Bandstreifen um das 
Haupt nach Art eines Turban gewunden wurden, spricht schon 
Ovid in seinen Metamorphosen an der vorherbelobten Stelle und 
scheint auch aus solchen Purpurstoffen das Diadem des Darius 
und der übrigen persischen Könige bestanden zu haben.  
Der leichtern Reinigung wegen benutzte man jedoch zur 
Bildung dieser „tiara, diadema" im Alterthume einen feinen Lei- 
nen- oder Byssusstoff. 2) So lässt sich auch aus einer Stelle bei 
Justinus 3) folgern, dass das Diadem Alexanderis des Grossen aus 
feinem Byssus bestanden habe. Auch die persischen Tiaren, wie 
sie als Kopfbedeckung im Profangebrauche waren, waren aus 
einem solchen Byssus oder feinen Leinenstoffe angefertigt, wie 
das bei Strabo 4) zu ersehen ist. 
Aus demselben kostbaren Material War auch der Stoff ge- 
webt, der zu dem "pileus" der hebräischen Opferpriester ge- 
braucht wurde, wie das dem Buche Exodus 5) zu entnehmen 
ist, wo die priesterliche Kopfbinde als „pileus byssinus" vorge- 
schrieben wird. 
Obgleich die Kopfbinde für den Profangebrauch in den vor- 
christlichen Zeiten zuweilen aus vielfarbigen Stoffen 6) gewählt 
wurde, die zuweilen bemalt waren und zuweilen durch Gold und 
Farben vermittels phrygischer Künste gehoben wurden, so bestan- 
den die Diademe bei den Römern ebenfalls aus dem feinsten weissen 
Byssusstoff, wie das Suetoniusß) Silius Italicusß) Lucianus und 
Amianus Marcellinus übereinstimmend melden. Von derselben blen- 
dend weissen F arbe, ohne alle Anwendung von Bemalung, Sticke- 
reien oder eingewebten Golddessins zeichneten sich auch aus die 
Kopfbekleidung der jüdischen Opferpriester, da sie, wie die „brachae" 
und die "tunica" vom feinsten ägyptischen Leinen waren. 
XII, 
Curt. lib. III. und VI. 
Silius Ital. lib. III. und Joscphus antiq. lib. 
Just. lib. XV.  
Strabo lib. XV. 
Exod. lib. XXXIX, 26. 
Plinius. lib. XXXV, cap. IX. 
Such. in vit. Jul. Caes. cap. LXXIX. 
Sil. Ital. lib. XVI. und Amian. Marcell. lib. 
CHIP 
XII.
        

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