Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5809
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Amtshandlung vorzunehmen hatte, fielen, um die Würde und 
Feierlichkeit des Gewandes zu heben, die äussern Enden des 
Gürtels bis zu den Füssen frei herunter; sobald er aber eine 
Verrichtung auszuführen hatte, so pflegten die beiden Enden 
des Gürtels, wie es die Abbildung auf Tafel II zeigt, über die 
linke Schulter geworfen zu werden. 
Da, wie wir im Vorhergehenden gesehen haben, die Tunik 
der mosaisehen Opfergewänder mit der Albe des neuen Bundes, 
sowohl ihrer Form als ihrer stofflichen Beschaffenheit nach, grosse 
Aehnlichkeit hat und als prototypisches Gewand, nach Auslegung 
älterer Liturgiker, betrachtet werden kann für den spatern Ge- 
brauch der „linea tuniea" in der Kirche, so dürfte auch mit 
demselben Rechte der ebenbeschriebene Gürtel des A. T. als 
Vorbild zu betrachten sein, nach welchem parallel das Cingulum 
des Priesters im N. T. sowohl hinsichtlich der Form als auch 
des Stoffes analog gestaltet wurde. Aehnlich wie im A.T. wurde 
schon in den frühesten Jahrhunderten des Christenthums mit 
dem Gürtel die weisse langherunterfiiessende Albe des Priesters 
ebenfalls um den Obertheil der Brust so angelegt, dass vermittels 
dieer Umgürtung das faltenreiche, lange Untergewand aufge- 
schürzt und mit der Grösse des celebrirenden Priesters in Be- 
ziehung gesetzt werden konnte. Zwar wurde im Christenthume 
der „zona" nicht eine so grosse Länge gegeben, wie im Mosais- 
mus und War auch die Breite derselben, so wie die Art und WVeise 
ihrer Ornamentation, nicht so hervorragend. Die einfachere Form 
und Decoration des priesterlichen Gürtels rührte wohl aus dem 
Ümstande her, dass bei den liturgischen Gewändern der Christen 
der Gürtel mehr als ein untergeordnetes Gewandstüek behufs der 
Aufgürtung der Albe unter der Casel oder den Diakonalgewan- 
dern getragen und von denselben verdeckt wurde. Niehstdesto- 
weniger pflegte man im Mittelalter dem Cingulum eine grössere 
Bedeutung zu geben und durch reiche Stickereien zu heben, 
mehr als das heute der Fall ist. Wie wir das in einer spätern 
Lieferung dieses Werkes, wo die Form und die Verzierungsweise 
dieses Gürtels weiter nachgewiesen werden soll, ausführlicher 
besprechen und durch Zeichnung veranschaulichen werden, war 
auch im Mittelalter der Gürtel des Celebranten, namentlich aber 
jene Hzona", welcher sich der Bischof bei Pontificatl-Handltingen 
bediente, mit kunstreiehen Gold- und Seidenstickereien verziert, 
ähnlich wie auch der oben beschriebene nbalteus" im alten Bunde 
durch phrygionische Künste nach Vorschrift gehoben werden musste. 
Statt eines feinen Lcinenstoffes, ähnlich dem feinen Byssusgewebe
        

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