Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5782
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Auch Barselonius, übereinstimmend mit den übrigen jüdischen 
Gelehrten, gibt hinsichtlich der Grösse dieselbe Längenausdehnung 
des Gürtels an. Es hätte dann allerdings dieser Gürtel eine un- 
glaublich grosse Ausdehnung gehabt, wenn man, den Berechnun- 
gen von R. Meier ap. Buxtorf histor, arc. foed. e. 7. zufolge, 
annimmt, dass eine heilige Elle, die nachweislich zur Bemessung 
aller Geräthschaften des Tempels gebraucht wurde, eine Länge 
von 6 flachen Händen hatte. Setzt man die flache Hand auf vier 
Finger Breite an und berechnet auf den Finger einen Zoll, so 
hatte die heilige Elle 24 Zoll und würde demnach der Gürtel 
die fast hinderliche Länge von 62 Fuss gehabt haben. Hinsicht- 
lich der Breite des priesterlichen nligamentum" weicht jedoch 
Josephns von der Angabe des Maimonides insofern ab, als der 
Erstere angibt, dass der Gürtel 4 Finger breit gewesen, wogegen 
der Zweite mit Bestimmtheit versichert, derselbe sei nur 3 Finger 
breit gewesen. 
Weil alle priesterlichen Gewänder des Alterthums ohne Naht 
gewirkt sein mussten, so war auch der Gürtel gleichsam rund und 
ohne Ende gewebt, so dass er im Innern hohl war, ähnlich der 
abgezogenen Haut einer Schlange. Denselben Ausdruck braucht 
auch Flavius Josephus, wo er in seinen „Alterthümern" von 
Gürtel spricht. Dadurch, dass im Alterthum der Gürtel in 
Weise eines Beutels oder einer Sehlangenhaut hohl gewebt war, 
kam es auch, dass die Römer, namentlich das Militair, das Sti- 
pendium häufig im Gürtel zu tragen pflegten. 1) Auch war das 
bei den profanen Leibbinden der Juden Fall, dass sie sich näm- 
lieh des Gürtels gleichsam als Geldbeutels bedienten, wodurch 
auch die betreffenden Stellen bei Matth. Cap. X, 9. und bei 
Marc. VI, 8. ihre Erklärung finden. Es entsteht hier mm 
noch die Frage, in welcher Weise die oft gedachte priesterliehe 
"faseia", die eine so grosse Länge hatte, getragen wurde, 
Nach Flavius Josephus 1) wurde dieser 32 Ellen lange Gürtel 
mehrmals um den Oberkörper geschlungen, „semel atque ite- 
rum".' Die beiden unten ausmündenden Streifen flossen dann 
reich bis zum Knöchel herunter, wenn der Priester nicht im 
Dienste war, damit, wie der ebengedachte Gewährsmann angibt, 
dadurch die WVürde und die Feierlichkeit des AIlZugQg gehoben 
wurde. Nach Josephus scheint also der Gürtel doppelt um den 
Oberleib gewunden worden zu sein. Istdas der Fall, so musste, 
2) Vgl. Vopiscus in vit. Aureliani. 
) Antiq. lib. III, cap. VIII.
        

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