Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5779
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nannte und das wir heute mit dem Worte Coehenille zu bezeichnen 
pflegen. Diesen „vermiculus bis tinetus", der zuweilen auch iden- 
tisch für Purpur steht, deswegen auch zusammen angeführt Wird, 
dürfte man, da der Purpur, aus dem Safte der Murexsehneeke ge- 
wonnen, äusserst kostspielig war, als Ersatzmittel und billigeres Sur- 
rogat für den echten phönizischen Purpur betrachten. Schwer dürfte 
es halten, die Muster näher zu bestimmen, mit denen die priester- 
liehe Leibbinde von Byssus in vielfarbiger Wolle durch Stickerei 
verziert war. Da der zweite Tempel des Herodes, der sehr de- 
taillirten Beschreibung des Flavius Josephus zufolge, im griechi- 
schen Style erbaut war, da überhaupt griechische Kunst und 
griechische Sitten namentlich in jenen Tagen bei dem Volke der 
Auserwählung Eingang gefunden hatten, als "das Scepter von 
Juda genommen war", so lässt es sich mit aller Wahrscheinlichkeit 
annehmen, dass auch die vielfarbigen eingestiekten Muster in dem 
Byssusgürtel der Priester im Style und in der Art und Weise 
griechischer Ornamente jener Tage angebracht waren. Wir ha- 
ben es uns erlaubt, bei der polyehromatischen Abbildung des 
Gürtels in der bildlichen Darstellung der „indumenta legalia", 
womit auf Taf. II der Opferpriester bekleidet ist, ein gräcisirendes 
farbiges Ornament, dem Palmblatt entlehnt, im Gürtel anzubringen, 
Wie es ähnlich auf den schmalen Flächen des Gürtels formell 
gestaltet gewesen sein mag. Um sicher zu gehen, haben wir dieses 
einfache Ornament als „opus polymitum" dem äussern Rande 
des kunstreich gestiekten Obergewandes jenes römischen Triumpha- 
tors entlehnt, wie dasselbe auf den berühmten sculptirten Elfen- 
bein-Diptychons aus dem Domschatze zu Halberstadt ersichtlich 
ist.  Ein römischer Feldherr auf dem einen Flügel des Consu- 
lar-Diptyehons ist nämlich als Sieger mit einer reich gestick- 
ten „t0ga pieta et palmata" bekleidet 1) und ist der äussere 
Rand mit einer ähnlichen gräcisirenden Guirlande verziert, wie 
eine solche als "opus phrygionicum" in der vorchristlichen Zeit 
an schmalen Rändern und Gürteln häufiger figurirt haben mag. 
Die Gürtel der vorehristliehen Zeit hatten meist eine ansehn- 
liche Länge und ziemliche Breite; auch. die priesterliche Leibbinde 
der Synagoge hatte nach Maimonides eine Lange von 32 Ellen. 2) 
Vgl. die Darstellung dieses merkwürdigen Reliefs in der II. 
vorliegenden Werkes auf Tafel 1 und die Beschreibung 
Seite 129. 
Hi]. Kele Hammikd. cap. VIII. 
Lieferung 
desselben 
des 
auf 
23m
        

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