Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5704
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der alten Abtei St. Gallen in der Schweiz eine ägyptische Mumie 
eingehüllt fanden. 1) 
In Rücksicht auf Grösse und Ausdehnung des vorliegenden 
priesterlichen Gewandes, das wir auf Tat. I. Fig. 2. in klcinerin 
Bilde für sich allein veranschaulicht haben, sei bemerkt, dass 
nach der Vorschrift des Gesetzes die „tuniea" der körperlichen 
Ausdehnung des Tragenden anpassend gemacht wurde. WVie es 
nun scheinen will, umschloss sie jedoch nicht zu enge den Ober- 
körper. Auch hatten die Aermel eine massige Breite, reichten 
bis zum Knöchel der Hand und wurden an dieser Stelle nicht 
geschlossen. Nach unten hin musste dieses zweite priesterliche 
Gewandstüek eine solche faltenreiche Ausdehnung haben, dass 
der Träger desselben beim Aussehreiten und bei Verrichtung 
seiner verschiedenen Amtsfunctionen durch die Enge desselben 
nicht im mindesten behindert war. Ferner musste dieser Leibrock 
die gesetzliche Länge haben, d. h. er musste bis zum Knöchel "ad 
talurn" des Fusses herunter reichen. Hatte er diese vorgeschrie- 
bene Grösse nicht und zeichnete sich derselbe durch seine Kürze 
aus, so zwar, dass ein Theil der unbedeckten Beinschenkel zum 
Vorschein kam, so waren die darin vorgenommenen Amtsverrieh- 
tungen ungültigü) reichte jedoch die „tunica" über die Knöchel 
herunter, so dass sie beim Gehen nachgezogen wurde, so machte dies 
die Amtsverrichtung nicht ungültig, und war es alsdann gestattet, 
die zu langen Tuniken vermittels des Gürtels ein wenig aufzusehür- 
zcn, so dass sie auf die rcchteLange einer gesetzmässigen "nozlrfgiryg" 
zurückgeführt werden konnten. Da die priesterlichen Gewän- 
der nach der Vorschrift Moses „ad gloriam et ad honorem" be- 
i) Aehnliche polygone Dessins von höchst merkwürdiger Beschaffenheit, offen- 
bar griechische Bildungen, sollen sich auch, der Mittheilung eines sach- 
kundigen Freundes zufolge, in dem künstlich gewebten Leintuchc befinden, 
das als kostbare Reliquie in der ehemaligen Reichs-Abtei Corneli-Münster 
bei Aachen aufbewahrt wird. Nach den einstimmigen Berichten vieler 
Chronisten ist das jenes Tuch, worin als „sindon mundum" der Leich- 
nam des Heilendes mit Spezereien gesalbt, eingewickelt und in's Grab ge- 
legt worden ist. Durch Karl den Grossen kam dieses Heiligthum nach 
Aachen, und wurde dasselbe durch seinen Sohn, Ludwig den Frommen, 
mit andern Schätzen an seine Lieblingsstiftung Corneli-Münster gebracht. 
Auch die Textur dieses grossartigen Gewebes soll von höchst merkwürdi- 
ger Beschaffenheit sein, und dürfte dieselbe einen Schluss ziehen lassen, 
von welcher stofflichen Beschaffenheit die Byssns-Geivebe der hohenpriester- 
liehen Kleidung und insbesondere die mit nctzfürmigen Dessins durchwebte 
ntunica" gewesen sein dürfte. Vgl. Dr. Floss, geschichtliche Nachrichten 
über die Aachener Heiligthümer, Seite 110 und 111. 
I) Jnrchius, Ood. Sevaehim, cap. II.
        

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