Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5694
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der pricsterliehe Leibrock angefertigt wurde, ein solches viel- 
eckige Muster, das uns Maimonides 1) hinsichtlich seiner Beschaf- 
fenheit naher beschreibt, wenn er sagt: "tuniea cum Sacerdotis 
Magni, tnm caetcrornin Sacerdotum fundis consita erat; habuit 
enini multas domos in sua textura, quemadmoduixi stomachus, 
quein reticulum dieunt, prout textores facere solent vcstes duras." 
Ans der Angabe des ebcngedaehten jüdischen Gelehrten geht 
also hervor, dass die in dem Pr-iestertalar eingewebten Dessins sich 
nctz- oder maschenförmig aneinander setzten, ähnlich den Zellen- 
bildungen, wie dieselben netzförmig sich in dem Magen verschie- 
dener Thiere (larstellen. Jene Autoren dagegen irren, die an- 
nehmen, das Dessin des Leibrockes habe sich gebildet durch kleine 
vertiefte runde Kreise, die sich in Weise von kleinen Augen an- 
einander fortsetzen, weshalb sie aueh unrichtig den zum Leibrock 
verwandten Stofi als "byssus ocellaris" 2) bezeichnet haben. Das 
Muster in dem Priesterrock setzt sich nämlich nicht in runden 
Vertiefungen gleiehmässig fort, sondern bildet kleine Grübehen, 
die sich, in Sechsecke geformt, aneinander schliessen, ähnlich 
wie auch solche hcxagone Bildungen in den Bienenzellen der 
Honigkuchen vorkommen. Zur bessern Veranschaulichung dieses 
(icbildmusters der wtunica" haben wir auf Taf. I, 2 und auf Taf. II bei 
den Abbildungen des Leibrockes diese zellenförmigen Vertiefungen 
angedeutet, wie dieselben, in Vergleich mit mehrern altern Ge- 
bildmustern unserer Sammlung, als upallia retieulata oder ltLOLlElfiL" 
beschaffen gewesen sein mögen. Wie das durch die Technik der 
YVeberci im Leinen herbeigeführt wurde, waren die Umrisse die- 
ser Polygone ziemlich hoch aufliegend durch den Einschlag ge- 
bildet und nimmt es den Anschein, als ob die innern Flächen 
dieser sechseckigen Figuren, die durch die Kette gebildet wur- 
den, als Vertiefungen, Grübehen nach Innen sich herausstellten. 
Unseres Wissens nach dürften sich heute kaum, aus vor-christlicher 
Zeit hcrrührend, gemusterte Byssusstoffe erhalten haben, die ein 
mit dem eben beschriebenen verwandtes Dessin aufweisen können. 
Die Leinenstofle, die jetzt noch als verwandte Analogiecn mit 
dem oben gedachten Byssusstoffe in Betracht gezogen WOHlOII 
können, fanden wir als Umhüllungcxi zu den ägyptischen Mumien. 
Namentlich war der Byssusstoff von grosser Feinheit und Schön- 
heit, in welchem wir in der Kunst- und Alterthums-Sammluni; 
hlaimunimics, 
Samluel Lau, 
,.Kc1c harulnikdausch", cap. VIII. 
De templo Sulomonis. cap. IV.
        

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